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Internationaler Affenpocken-Ausbruch seit Mai 2022

20.06.2022

Das Affenpockenvirus wurde bereits 1958 bei Affen entdeckt und verbreitet sich seit 1970 in Zentral- und Westafrika auch beim Menschen [1]. Meldungen aus nicht-endemischen Ländern waren bisher selten, könnten allerdings zukünftig begünstigt werden, weil die weltweite Bevölkerungsimmunität durch die Einstellung der Pockenimpfung abnimmt. Seit Anfang Mai häufen sich die Meldungen von Fällen aus Nicht-Endemie-Ländern in aller Welt. Auch aus Deutschland wurden mittlerweile etliche Erkrankungen gemeldet [2,3].

Was sind Affenpocken?

Die Krankheit Affenpocken wird durch das sogenannte Affenpockenvirus (Orthopoxvirus simiae, auch Monkeypox virus; Gattung Orthopoxvirus; behülltes Virus) ausgelöst. Bei erkrankten Personen treten nach einer Inkubationszeit von 5–21 Tagen meist zunächst Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten auf. Die typischen Hautveränderungen, die der Krankheit ihren Namen geben, bilden sich erst nach dem Einsetzen des Fiebers und finden sich vor allem im Gesicht sowie an Handflächen und Fußsohlen. Sie können aber auch an anderen Körperstellen wie Mund, Urogenital- und Analbereich sowie an den Augen entstehen. Im Laufe der Erkrankung (meist 2–4 Wochen) verändert sich der Hautausschlag vom Fleck bis zur Pustel, verkrustet später und fällt ab. Die Krankheit mit dem aktuell in nicht-endemischen Ländern zirkulierenden Virusstamm verläuft beim Menschen in den meisten Fällen mild und selbstlimitierend, kann aber in selteneren Fällen auch Komplikationen wie bakterielle Superinfektionen nach sich ziehen [1–3].

Wie werden Affenpocken übertragen?

Affenpocken können sowohl durch Tiere auf den Menschen als auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung gilt jedoch als seltener und erfordert normalerweise engen Körperkontakt. Das Virus nutzt dabei vor allem winzige Hautläsionen oder die Schleimhäute (Augen, Mund, Nase, Genitalien), um in den Körper zu gelangen. Besonders hohe Viruskonzentrationen finden sich in den typischen Pusteln, jedoch enthalten wahrscheinlich auch andere Körperflüssigkeiten (Sekrete und Exkrete) Viren. Eine Tröpfcheninfektion ist denkbar, tritt aber vermutlich nur bei längerem Kontakt von Angesicht zu Angesicht auf. Außerdem kann das Virus von Schwangeren auf den ungeborenen Fötus oder während der Geburt auf das Kind übertragen werden [2,3].

Eine Übertragung durch Tiere kann stattfinden, wenn die Person mit infizierten Tieren bzw. kontaminierten Tierprodukten in Kontakt gekommen ist, z.B. durch Bisse, engen Umgang, Kontakt mit Sekreten oder Exkreten, Verzehr von kontaminiertem, unzureichend gegarten Fleisch etc. Anders als der Name suggeriert, ist der natürliche Wirt des Affenpockenvirus wahrscheinlich nicht der Affe, der sich jedoch ebenfalls anstecken kann. Es wird angenommen, dass vor allem Nagetierarten und Spitzmäuse das Wildtierreservoir für das Virus bilden [2–4].

Welche Hygienemaßnahmen und welche Wirksamkeiten von Desinfektionsmitteln sind zur Infektionsprävention erforderlich?

Um eine weitere Ausbreitung der Affenpocken zu vermeiden, ist es wichtig, die Bevölkerung über Verhaltensmaßnahmen zur Prävention aufzuklären. Dazu gehört z.B. das Vermeiden von engem Kontakt mit (mutmaßlich) Infizierten. Auch sollten sich keine Wäschestücke wie Handtücher oder Bettwäsche geteilt werden. Da die Impfung gegen die humanen Pocken einen gewissen Schutz gegen Affenpocken zu bieten scheint, kann bei besonderen Indikationen eine Pockenimpfung durchgeführt werden. Darüber hinaus ist es wichtig, neue Fälle schnell zu identifizieren [3,5]. Personen mit bestätigter Erkrankung sollten sich häuslich isolieren, bis sie genesen sind. Kontaktpersonen von Infizierten wird eine Quarantäne nahegelegt [5].

Um die Übertragung der Affenpocken in Gesundheitseinrichtungen zu vermeiden, wird eine gute Händehygiene mit einem mindestens begrenzt viruziden Hände-Desinfektionsmittel sowie ein indikationsgerechter Handschuhwechsel empfohlen. Beschäftigte, die Erkrankte direkt versorgen, sollten sich außerdem mit FFP2-Maske und persönlicher Schutzausrüstung schützen. Für die Flächendesinfektion sollten ebenfalls Desinfektionsmittel mit mindestens begrenzt viruzidem Wirkungsspektrum verwendet werden. Da die Viren lange persistieren können, müssen die Einwirkzeiten unbedingt beachtet werden [6].

Wie ist die aktuelle Lage?

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO wurden bis zum 15. Juni 2022 2103 Fälle aus 42 Ländern (vornehmlich in Nordamerika und Europa) gemeldet. Bislang handelt es sich dabei ausschließlich um den in Westafrika zirkulierenden Stamm, der im Vergleich zum zentralafrikanischen Stamm weniger schwere Verläufe auslöst [7]. Bis der aktuelle Ausbruch eingedämmt ist, muss mit weiter steigenden Fallzahlen gerechnet werden, so dass sich die aktuelle Lage stetig verändert. Während die WHO das Risiko auf globaler Ebene derzeit als moderat bezeichnet, sieht das Robert Koch-Institut für Deutschland ein geringes Gesundheitsrisiko für die breite Bevölkerung und befürchtet keine neue Pandemie [7,8].

Handelt es sich bei den Affenpocken um eine Zoonose?

Der aktuelle Affenpocken-Ausbruch stellt ein klassisches Beispiel für eine Zoonose dar, denn das Affenpockenvirus ist ursprünglich nur in Wildtieren aufgetreten. Da der Mensch jedoch mehr und mehr in den natürlichen Lebensraum von Wildtieren eingreift und diesen zerstört, werden Zoonosen zu einer zunehmenden Gefahr für den Menschen [9].

Quellen:

  1. Nitsche A et al. (2019). Infektionen des Menschen mit Affenpocken. Flugmedizin Tropenmedizin Reisemedizin 26: 18–24. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/9723/2019%20Affenpocken_final_revised_submitt.pdf?sequence=3&isAllowed=y
  2. Robert Koch-Institut (2022) Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Affenpocken. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Affenpocken/affenpocken_gesamt.html;jsessionid=55158071A077DFE200174772FF06F332.internet051?nn=2386228 (aufgerufen am 09.06.2022)
  3. World Health Organization (2022) Fact sheet: Monkeypox. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/monkeypox (aufgerufen am 09.06.2022)
  4. Friedrich-Loeffler-Institut (2022) FAQ Affenpocken (Monkeypox virus, MPXV). https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00046183/FLI-FAQ_Affenpocken_2022-05-20.pdf (aufgerufen am 09.06.2022)
  5. Robert Koch-Institut (2022) Affenpocken. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Affenpocken/Affenpocken.html (aufgerufen am 09.06.2022)
  6. Robert Koch-Institut (2022) Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch Affenpockenviren in Einrichtungen des Gesundheitswesens https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Affenpocken/Hygiene.html;jsessionid=6905F78BC1F74CAFA9F10C2F3AD0AC5B.internet071?nn=2386228 (aufgerufen am 09.06.2022)
  7. World Health Organization (2022) Multi-country monkeypox outbreak: situation update https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2022-DON393 (aufgerufen am 20.06.2022)
  8. Robert Koch-Institut (2022) Internationaler Affenpocken-Ausbruch: Fallzahlen und Einschätzung der Situation in Deutschland https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Affenpocken/Ausbruch-2022-Situation-Deutschland.html;jsessionid=55158071A077DFE200174772FF06F332.internet051?nn=2386228 (aufgerufen am 09.06.2022)
  9. DESINFACTS 01/2021; S. 13. Zoonosen als Gefahr für den Menschen https://www.hartmann-science-center.com/-/media/country/hsc/pdf/disinfacts/21_desin1.pdf?rev=7ddb52bb2b964fe58b6228d7559007f0&sc_lang=de-de (aufgerufen am 09.06.2022)

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