Spender und Tuchspendersysteme

Studie zur Ausstattung mit Desinfektionsmittelspendern bildet Grundlage für neuen Minimalstandard

27.04.2022

Es ist allgemein anerkannt, dass die Händehygiene mit alkoholischen Hände-Desinfektionsmitteln (HDM) die wirksamste Maßnahme zur Prävention nosokomialer Infektionen ist [1]. Dass angemessene Händehygiene für Beschäftigte in Gesundheitseinrichtungen nur praktikabel ist, wenn ausreichend HDM-Spender an geeigneten Orten vorhanden sind, liegt auf der Hand. Bislang hat jedoch nur das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) Empfehlungen zur Anzahl von HDM-Spendern herausgegeben und empfiehlt mindestens einen Spender pro Bett auf Intensivstationen bzw. 0,5 pro Bett auf Normalstationen. Im Gegensatz dazu haben weder die Weltgesundheitsorganisation WHO noch die amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) oder das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) solche Empfehlungen in ihren jeweiligen Leitlinien ausgesprochen. Um eine Grundlage für die Festlegung nationaler und internationaler Mindeststandards zu schaffen, untersuchte eine Forschungsgruppe unter Federführung von Professor Andreas Widmer vom Swissnoso Nationalen Zentrum für Infektionsprävention die aktuelle Anzahl und Standorte von HDM-Spendern in Schweizer Akutkrankenhäusern [1].

Fragebogen-basierte Ergebnisse auf Basis von 20.000 Akutbetten

Die Studie basierte auf einer Umfrage per anonymisiertem und standardisiertem Fragebogen (angelehnt an die PROHIBIT-Studie), der zwischen Juli und September 2019 an alle 178 Kliniken des Swissnoso Surveillance-Netzwerks verschickt wurde. Zertifizierte Fachkräfte der Infektionskontrolle und Krankenhausepidemiologie erhoben dafür mittels elektronischem sowie papierbasiertem Tool Daten zur Anzahl der Spender pro Bett, dem Standort der Spender und dem HDM-Verbrauch. Insgesamt beteiligten sich 110 Krankenhäuser (62%) und lieferten damit Informationen zur Versorgung von rund 20.000 Akutbetten in der Schweiz.

Zimmereingang und Waschbeckennähe als bevorzugte Spender-Standorte

In den meisten Krankenhäusern fanden sich HDM-Spender am Eingang des Zimmers (n = 92, 84%) und in der Nähe des Waschbeckens (n = 81, 74%). In knapp der Hälfte der Kliniken waren Spender in der Nähe vom oder am Bett vorhanden. Während in Dreiviertel der teilnehmenden Krankenhäuser Wandspender dominierten, bot nur ein Viertel hauptsächlich Kittelflaschen an. Letztere waren allerdings in 97% der Krankenhäuser meist zusätzlich verfügbar.

Deutlich mehr Spender pro Bett als vom Robert Koch-Institut empfohlen

Bei der Erhebung der gesamten Spenderzahlen in den jeweiligen Kliniken zeigte sich, dass Schweizer Krankenhäuser mit durchschnittlich 2,4 HDM-Spendern pro Patientenbett sehr gut ausgerüstet sind. Diese Zahl liegt somit – bezogen auf Intensiv- bzw. Normalstationen – 2- bis 4-mal höher als die vom RKI für deutsche Kliniken empfohlene Anzahl. Außerdem ergab die Studie, dass in großen Krankenhäusern mit mehr als 500 Betten die Anzahl der HDM-Spender mit dem HDM-Verbrauch korrelierte. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Händehygiene umso besser eingehalten wird, je mehr Spender verfügbar sind.

Studienergebnisse in verbindlichen Schweizer Minimalstandard eingeflossen

Die Ergebnisse der Studie sind inzwischen in die Entwicklung eines schweizerischen Mindeststandards für die Ausstattung von Kliniken mit HDM-Spendern eingegangen. Im Gegensatz zur RKI-Empfehlung in Deutschland ist dieser Standard jedoch obligatorisch und muss von den Kliniken umgesetzt werden.

Quellen:

1. World Health Organization (2009). WHO guidelines on hand hygiene in health care: first global patient safety challenge clean care is safer care.

2. Kuster S et al. (2021) Handrub dispensers per acute care hospital bed: a study to develop a new minimum standard. Antimicrob Resist Infect Control 10: 93. https://doi.org/10.1186/s13756-021-00949-0

Weitere Artikel