Händehygiene

Desinfektionsmittel oder Seife? Metaanalyse untersucht Wirksamkeit gegen übertragene Atemwegsinfekte im privaten Bereich

02.05.2022

Händehygiene gilt als wirksame Intervention im Kampf gegen die Übertragung von Viren und Bakterien, die Atemwegsinfektionen verursachen. Doch was hilft besser, deren ambulante Verbreitung zu vermeiden –Desinfektionsmittel oder Händewaschen mit Wasser und Seife? Dieser Frage ging kürzlich ein australisches Forschungsteam in einem systematischen Review mit Metaanalyse und Dosis-Wirkungs-Analyse nach. Dafür wurden insgesamt 18 randomisierte, kontrollierte Studien eingeschlossen: vier davon verglichen Desinfektionsmittel und Seife direkt miteinander, 14 beurteilten Desinfektionsmittel oder Seife im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Außerdem wurde ein genauerer Blick auf diejenigen Studien geworfen, die auch die „Dosis“ (also die Häufigkeit der Intervention) berücksichtigten, um das relative Risiko einer Atemwegsinfektion zu ermitteln.

Kopf-an-Kopf-Vergleiche zu heterogen, um eindeutig Desinfektionsmittel oder Seife zu bevorzugen

Die vier Kopf-an-Kopf-Studien, die Hände-Desinfektionsmittel direkt mit Seife und Wasser verglichen, unterschieden sich stark im Design. Während eine zweiarmige schwedische Studie in Kindertagesstätten eine um 12 % geringere Abwesenheitsrate bei den Einrichtungen fanden, die Desinfektionsmittel verwendeten, hatten Kinder in einer zweiarmigen spanischen Studie ein um 13 % niedrigeres Risiko einer Atemwegsinfektion in der Desinfektionsmittelgruppe. Beide Studien fanden also einen Vorteil von Hände-Desinfektionsmitteln im Vergleich zu Wasser und Seife. Im Gegensatz dazu führten in einer dreiarmigen kenianischen Studie an Grundschulen sowohl Desinfektionsmittel als auch Wasser plus Seife zu einem 23 % niedrigeren Risiko eines Infekts bei Schulkindern als die Kontrolle ohne Intervention. Hier waren die beiden Interventionen also als gleichwertig zu betrachten. Anders sah es in einer dreiarmigen finnischen Studie in Unternehmen aus, bei der in der Seifengruppe signifikant weniger Infektionsepisoden auftraten als in der Kontrollgruppe (5 vs. 6 pro Jahr), der Unterschied zwischen Desinfektionsmittelgruppe und Kontrolle (5,6 vs. 6 pro Jahr) jedoch nicht signifikant war. Davon abgesehen konnte die Studie aber keinen Unterschied zwischen den beiden Interventionen in Bezug auf Fehlzeiten am Arbeitsplatz feststellen.

Unterschiede in der Wirksamkeit nicht durch Häufigkeit der Intervention erklärbar

Bei der Metaanalyse ergaben drei Studien mit Seife und Wasser im Vergleich zur Kontrolle ein nicht-signifikantes Ergebnis, während sechs Studien mit Desinfektionsmitteln im Vergleich zur Kontrolle eine signifikante Verringerung von Atemwegsinfektionen um 20 % (gepoolte Daten) ermittelten. Elf der insgesamt berücksichtigten Studien lieferten ausreichende Informationen, um die Häufigkeit der Händehygiene-Ereignisse abzuschätzen. Allerdings ergab sich daraus keine klare Beziehung zwischen Häufigkeit und Wirkung, so dass Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen Hände-Desinfektionsmittel sowie Seife und Wasser dadurch nicht erklärt werden können.

Richtig angewandt tragen beide Methoden zu weniger Atemwegserkrankungen bei

Insgesamt schlussfolgerte das Forschungsteam, dass Händehygiene eine mäßige, aber wichtige Rolle bei der Reduzierung der Übertragung von Atemwegserkrankungen hat. Sofern die Interventionen angemessen durchgeführt werden, kann das Übertragungsrisiko sowohl durch Händedesinfektion als auch durch Händewaschen mit Seife verringert werden. Einige Hinweise aus den Studien sprachen jedoch dafür, dass Desinfektionsmittel in der Praxis wirksamer sein könnten.

Während im Gesundheitswesen ohnehin die Verwendung von Hände-Desinfektionsmittel gemäß den „5 Momenten der Händehygiene“ ihren festen Platz hat, reichen im privaten Umfeld oder nicht-gesundheitsbezogenen Einrichtungen meist Seife und Wasser aus. Wenn verfügbar, sollten Sie jedoch bei Bekanntsein übertragbarer Krankheiten im Umfeld auf Hände-Desinfektionsmittelzurückgreifen. Dies gilt ebenso beim möglichen Kontakt mit Krankheitserregern, im Umgang mit immungeschwächten Menschen und wenn keine Möglichkeit zum Händewaschen besteht.

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Quellen:

  1. Hoffmann T, et al. Soap versus sanitiser for preventing the transmission of acute respiratory infections in the community: a systematic review with meta-analysis and dose-response analysis. BMJ Open. 2021; 11(8): e046175. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2020-046175
  2. Lennell A, et al. Alcohol-based hand-disinfection reduced children's absence from Swedish day care centers. Acta Paediatr. 2008; 97(12): 1672–1680. https://doi.org/10.1111/j.1651-2227.2008.01057.x
  3. Azor-Martinez E, et al. Effectiveness of a Hand Hygiene Program at Child Care Centers: A Cluster Randomized Trial. Pediatrics. 2018; 142(5): e20181245. https://doi.org/10.1542/peds.2018-1245
  4. Pickering AJ, et al. Access to waterless hand sanitizer improves student hand hygiene behavior in primary schools in Nairobi, Kenya. Am J Trop Med Hyg. 2013; 89(3): 411–418. https://dx.doi.org/10.4269%2Fajtmh.13-0008
  5. Savolainen-Kopra C, et al. Hand washing with soap and water together with behavioural recommendations prevents infections in common work environment: an open cluster-randomized trial. Trials. 2012; 13: 10. https://dx.doi.org/10.1186%2F1745-6215-13-10
  6. WHO (2009). WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. https://www.who.int/publications/i/item/9789241597906

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