Basishygiene

Neue HARTMANN SCIENCE CENTER Symposiumsreihe erfolgreich gestartet: Basishygiene in Bewegung

04.05.2022

Die Maßnahmen zur Basishygiene bilden nach wie vor die Grundlage, um nosokomiale Infektionen zu vermeiden. Wie wichtig diese sind, hat auch die COVID-19-Pandemie noch einmal deutlich vor Augen geführt, denn die Rate an Krankenhausinfektionen ist 2020 – teils wohl aufgrund des vulnerableren Patientenklientels – angestiegen. Bei einer Befragung von Klinikpersonal im Zuge unseres ganzheitlichen Präventionskonzepts MISSION: INFECTION PREVENTION (M: IP®) zeigte sich zudem, dass Dreiviertel der Befragten nosokomiale Infektionen für eine der wesentlichen existenziellen Bedrohungen für Kliniken in den kommenden 10 Jahren halten. Umso wichtiger ist es, dass die Basishygiene in Bewegung bleibt, um sie stetig zu verbessern und neue Ansätze in der Infektionsprävention zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund startete am 11. November 2021 virtuell unsere neue Symposiumsreihe mit dem Motto „Basishygiene in Bewegung – Ansätze zur Infektionsprävention“. Im Rahmen der zweistündigen Veranstaltung gewährten Professor Andreas Widmer (Swissnoso Nationales Zentrum für Infektionsprävention, Mitglied der Weltgesundheitsorganisation WHO), Dr. Tobias Kramer (Charité Berlin, Aktion Saubere Hände) und Professor Johannes Knobloch (Arbeitsbereich Krankenhaushygiene, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) Einblicke in die aktuelle Studienlage. Außerdem gaben sie den Teilnehmenden praktische Maßnahmen für eine verbesserte Hygiene in Gesundheitseinrichtungen mit auf den Weg.

Nationaler Minimalstandard für Infektionsprävention wird in Schweizer Krankenhäusern verbindlich

Professor Andreas Widmer, der als erstes zu Wort kam, macht sich seit über 25 Jahren mit dem Swissnoso Nationalen Zentrum für die Infektionsprävention in Schweizer Kliniken stark. Seiner Auffassung nach könnten mindestens 35 % der nosokomialen Infektionen mit geeigneten Maßnahmen vermieden werden. Auch wenn das theoretische Wissen bereits lange vorhanden ist, gab es bislang oft strukturelle und finanzielle Barrieren, die eine Umsetzung erschwerten oder verhinderten. Deshalb hat Swissnoso – u. a. auf Basis einer Anzahl von Hände-Desinfektionsmittelspendern in Schweizer Krankenhäusern – einen Minimalstandard für die Infektionsprävention ausgearbeitet, der kürzlich in Schweizer Krankenhäusern in Kraft getreten ist. Dieser sieht zur Verbesserung der Händehygiene-Compliance mindestens zwei Desinfektionsmittelspender pro Bett auf Nicht-Intensivstationen vor – deutlich mehr als die von der KRINKO in Deutschland geforderte Anzahl. Der Minimalstandard ist jedoch keine Empfehlung, sondern für die Kliniken obligatorisch. Setzten sie ihn nicht um, so Widmer, könnte dies sogar die Schließung der Klinik bedeuten. Swissnoso unterstützt nun die Krankenhäuser bei der Etablierung des Minimalstandards.

Händehygiene besonders auch im Umgang mit persönlicher Schutzausrüstung wichtig

Als ärztlicher Koordinator der „Aktion Saubere Hände“ ist Dr. Tobias Kramer auf das Thema Händedesinfektion in der Patient/innenversorgung spezialisiert. In seinem Vortrag gab er u. a. Einblick in Entwicklungen während der Pandemie und deren Herausforderungen. In Deutschland war die Händehygiene-Compliance zwar schon vor der Pandemie auf einem relativ hohen Niveau, beim Gebrauch von Handschuhen können laut Kramer dennoch Probleme aus Handschuh-Kontaminationen, möglichen Fehlanwendungen oder dem nur in Ausnahmefällen indizierten Desinfizieren von Einmalhandschuhen entstehen. Eine Leipziger Studie zeigte, dass die Hände vor dem Gebrauch von Handschuhen häufig nicht desinfiziert oder die Handschuhe nicht gewechselt werden, wenn es angezeigt wäre. Hier besteht also deutlicher Verbesserungsbedarf, weshalb im HAND-KISS-Modul inzwischen auch die Verwendung von Handschuhen abgefragt wird. So kann erkannt werden, ob das Nichterreichen der Compliance daran lag, und verbessert werden.

Dr. Tobias Kramer: „Wenn man die Compliance auf COVID-Stationen beobachtet, sieht man ein anderes Arbeiten als vor der Pandemie. Es wird dauerhaft persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen, die zum persönlichen Schutz und dem der Patient/innen korrekt angewendet werden muss. Trotzdem sehen wir auch bei der Versorgung (potenziell) infektiöser Patient/innen, dass die PSA währenddessen manchmal justiert wird und man dann wieder an die Patient/innen zurückgeht. Da gibt es Verbesserungspotenzial.“

Transmission durch Oberflächen möglich – Reinigung und Desinfektion essenziell

Auch Professor Johannes Knobloch betonte, dass Händehygiene zwar Schlüsselmaßnahme gegen nosokomiale Infektionen bleibt, doch als alleinige Maßnahme nicht genügt. Vielmehr sollte Krankenhaushygiene multimodal sein und aus verschiedenen konzertierten Strategien bestehen. Weil auch Oberflächen mit Erregern kontaminiert sein können, ist eine gute Reinigung und Desinfektion unerlässlich. Da es keine internationale Leitlinie zur routinemäßigen Reinigung und Desinfektion von Oberflächen in Gesundheitseinrichtungen gibt, hat Knobloch 2021 zusammen mit einer europäischen Arbeitsgruppe praktische Empfehlungen dazu veröffentlicht. Darin wird z. B. die zugrundeliegende Risikobewertung beschrieben, die sich nach der Vulnerabilität der Patient/innen, der Wahrscheinlichkeit einer Übertragung sowie dem Risikoprofil der potenziellen Erreger richtet.

Professor Johannes Knobloch: „Wir brauchen multimodale Maßnahmen zur Verbesserung der Reinigung, damit eine ungenügende Schlussdesinfektion – insbesondere nach problematischen Erregern – nicht das Risiko für nachfolgende Patient/innen erhöht. Dafür müssen wir uns von der Idee „Mehr Fläche in weniger Zeit“ verabschieden. Wir brauchen eine gute Reinigung durch Menschen, die wissen was sie tun und in der Lage sind, die korrekten Reinigungsschritte durchzuführen.“

„High-touch“- Oberflächen wie Aufzugknöpfe und Tastaturen sind beispielsweise besonders stark kontaminiert und sollten entsprechend häufig gereinigt werden. Auch müssen routinemäßige und gezielte Desinfektion unterschieden und Verantwortlichkeiten festgelegt werden, die Schulung des Reinigungspersonals gewährleistet sein und die Sauberkeit regelmäßig bewertet werden.

Großes Interesse an Auftaktveranstaltung spiegelt Relevanz der Thematik wider

Zum Abschluss des virtuellen Symposiums präsentierte Dr. Jan Schröder (HARTMANN SCIENCE CENTER) noch die Ergebnisse zur Haut- und Schleimhautverträglichkeit unseres neuen Flächen-Desinfektionsmittels Bacillol® 30 Sensitive und zeigte, dass sich bei dessen Verwendung kein Parameter der Haut oder Schleimhaut klinisch relevant veränderte. Alles in allem fand die gelungene Auftaktveranstaltung großen Anklang und verdeutlichte die Relevanz der Thematik noch einmal. Für uns von HARTMANN bedeutet dies: Wir möchten Ihnen auch zukünftig ähnliche Veranstaltungen bieten, die sich – wenn möglich – auch an ein internationales Publikum richten.

Flächen-Desinfektionsmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen. Einstufung (VERORDNUNG (EG) Nr. 1272/2008) Bacillol® 30 Sensitive: Entzündbare Flüssigkeiten Kategorie 3 - H226: Flüssigkeit und Dampf entzündbar. Augenreizung Kategorie 2 - H319: Verursacht schwere Augenreizung.

Quellen:

  1. Kuster S, et al. Handrub dispensers per acute care hospital bed: a study to develop a new minimum standard. Antimicrob Resist Infect Control. 2021; 10: 93.https://doi.org/10.1186/s13756-021-00949-0
  2. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI). Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsbl. 2016; 59: 1189–1220.https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Haendehyg_Rili.pdf?__blob=publicationFile
  3. Imhof R, et al. Gloves use and possible barriers - an observational study with concluding questionnaire. GMS Hyg Infect Control. 2021; 16: Doc08.https://doi.org/10.3205/dgkh000379
  4. Assadian O, et al. Practical recommendations for routine cleaning and disinfection procedures in healthcare institutions: a narrative review. J Hosp Infect. 2021; 113: 104–114.https://doi.org/10.1016/j.jhin.2021.03.010

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