Flächenhygiene

Ein Maßnahmenpaket zur Routinereinigung und dessen Auswirkungen auf nosokomiale Infektionen

Nosokomiale Infektionen führen oft zu einem verlängerten Aufenthalt im Krankenhaus und stellen eine immense Belastung für das Gesundheitswesen dar. Gerade häufig berührte Oberflächen wie Bettgestelle oder Türklinken spielen bei der unbeabsichtigten Verbreitung von Erregern eine große Rolle, zumal einige Erreger bis zu mehreren Monaten auf Oberflächen verweilen können [1].


Die REACH-Studie

Das Team um Brett Mitchell hat erstmals eine multizentrische, Stepped-Wedge randomisierte Studie zum Thema Routinereinigung und -desinfektion durchgeführt. Ziel war durch ein Maßnahmenpaket die Inzidenzen von nosokomialen Infektionen zu verringern sowie die allgemeine Desinfektion von sog. High-Touch-Oberflächen zu verbessern [2]. Diese REACH-Studie (Researching Effective Approaches to Cleaning in Hospitals) wurde in elf australischen Krankenhäusern über einen Zeitraum von 20-50 Wochen durchgeführt. Dabei waren 1.729 Klinikmitarbeiter beteiligt, die für die Reinigung von insgesamt 190 Stationen verantwortlich waren.

Die durchgeführten Maßnahmen umfassten:

  • Empfehlungen zu Reinigungsmitteln und der Häufigkeit der Reinigung
  • Techniken zur effizienten Reinigung
  • Strategien zur Überprüfung der Reinigung
  • Training des Reinigungspersonals
  • Steigerung der allgemeinen Bereitschaft die Reinigung zu verbessern

Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wurde durch Bestimmung der Inzidenzen von Staphylococcusaureus-Bakteriämie (Methicillin-resistent sowie -sensitiv), Clostridioidesdifficile-Infektionen und Infektionen mit Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) bewertet. Zusätzlich wurde durch Verwendung eines fluoreszierenden Markers die Gründlichkeit der Reinigung auf High-Touch-Oberflächen gemessen.


Ergebnisse der Studie

Durch die Intervention konnte die Inzidenz von VRE-Infektionen signifikant reduziert werden (siehe Abbildung), während sich die Inzidenzen von Infektionen mit C.difficile und S.aureus vor und nach der Intervention nicht signifikant unterschieden. VREs sind bezogen auf ihr Vorkommen in Krankenhäusern und ihren Übertragungsweg repräsentative Vertreter für eine Reihe von Bakterien (z. B. Acinetobacter) [3], sodass die in dieser Studie erzielte Reduktion von VRE-Infektionen auch auf andere Pathogene übertragen werden kann.

Eindeutige Ergebnisse sind auch hinsichtlich der Gründlichkeit der Reinigung erzielt worden. Vor der Intervention lag der Anteil an gereinigten High-Touch-Oberflächen in Waschräumen bei 55 %, in Schlafräumen bei 64 %. Durch das Maßnahmenpaket konnte der Anteil auf 76 % bzw. 86 % gesteigert werden.

Abbildung: Ergebnisse aus der REACH-Studie. Links: Vergleich der Inzidenzen vor und nach Einführung des Maßnahmenpakets. Rechts: Verbesserung der Gründlichkeit der Reinigung häufig berührter Oberflächen.

Fazit

Die REACH-Studie war die erste multizentrische, Stepped-Wedge randomisierte Studie zum Thema Routinereinigung und -desinfektion. Das Maßnahmenpaket der Studie hat die Gründlichkeit der Reinigung von High-Touch-Oberflächen gesteigert und zu einer signifikanten Verringerung von Infektionen mit Vancomycin-resistenten Enterokokken geführt.

Quellen:

1. Kramer A et al. (2006) BMC Infect Dis 6:130.

2. Mitchell BG et al. (2019) Lancet Infect Dis 19(4):410-18.

3. Tacconelli E et al. (2014) Clin Microbiol Infect 20:1-55.

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