Unbehülltes Virus

Coxsackie Virus

Unbehülltes Virus
Coxsackie Virus

Wirkspektrum:

viruzid

Übertragungsweg:

Direkter Kontakt Tröpfchen o. Aerosole, überwiegend Nahdistanz-Übertragung Indirekter Kontakt

Hygienemaßnahmen:

Basishygiene (Hände und Fläche) Tröpfchenisolierung (Nahdistanz-Übertragung)

Auf einen Blick

Coxsackie-Viren sind unbehüllte RNA-Viren, die zur Gattung Enterovirus innerhalb der Familie der Picornaviridae gehören. Zahlreiche Coxsackievirus-Typen wurden beschrieben und sind weltweit verbreitet. Besondere medizinische Bedeutung besitzen sie als eine der Hauptursachen der Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK), einer hoch ansteckenden Viruserkrankung, die vor allem Kleinkinder betrifft. Die Erkrankung darf nicht mit der Maul- und Klauenseuche verwechselt werden, die Nutztiere betrifft und keinen Zusammenhang mit der menschlichen Hand-Fuß-Mund-Krankheit hat [1, 2].

Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit kommt weltweit vor und betrifft besonders häufig Kinder unter fünf Jahren. Allerdings können sich auch Jugendliche und Erwachsene infizieren. Die Erkrankung verläuft meist mild und selbstlimitierend, jedoch treten aufgrund der hohen Übertragbarkeit der verursachenden Enteroviren regelmäßig Ausbrüche in Kindertagesstätten, Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen auf [3].

Die häufigsten Erreger der HFMK sind Coxsackievirus A16 und Coxsackievirus A6. Auch andere Enteroviren können die Erkrankung verursachen. Während die meisten Infektionen unkompliziert verlaufen, werden insbesondere Infektionen mit Enterovirus A71 (EV-A71) mit schweren neurologischen Komplikationen in Verbindung gebracht [1, 2].

Im Detail

Symptome

Die Inkubationszeit der durch Coxsackie-Viren verursachten Hand-Fuß-Mund-Krankheit beträgt in der Regel drei bis zehn Tage nach der Exposition. Zu Beginn treten häufig unspezifische Symptome wie Fieber, Halsschmerzen, Appetitlosigkeit, allgemeines Krankheitsgefühl und Müdigkeit auf [4].

Ein bis zwei Tage nach Beginn des Fiebers können schmerzhafte Läsionen oder Bläschen in der Mundschleimhaut entstehen, insbesondere auf der Zunge, dem Zahnfleisch und den Innenseiten der Wangen. Kurz darauf entwickelt sich typischerweise ein charakteristischer Hautausschlag an den Handflächen und Fußsohlen. Dieser kann sich auch auf Gesäß, Knie, Ellenbogen oder den Genitalbereich ausbreiten. Die Hautveränderungen zeigen sich meist als rote Flecken, Papeln oder kleine Bläschen [3, 4].

Mehr als 80 % der Infektionen verlaufen symptomlos oder verursachen lediglich milde Beschwerden. Die meisten Betroffenen genesen innerhalb von fünf bis zehn Tagen vollständig ohne spezifische Therapie [3, 4].

In seltenen Fällen können schwere Komplikationen auftreten. Diese werden am häufigsten mit Enterovirus A71 in Verbindung gebracht und umfassen aseptische Meningitis, Enzephalitis, akute schlaffe Lähmungen sowie weitere neurologische Manifestationen. Schwere Krankheitsverläufe können eine Krankenhauseinweisung und intensivmedizinische Behandlung erforderlich machen [5, 6].

Infizierte Personen sind während der ersten Krankheitswoche am ansteckendsten. Allerdings können Viren noch mehrere Wochen nach Abklingen der Symptome mit dem Stuhl ausgeschieden werden, sodass eine Übertragung auch nach scheinbarer Genesung möglich bleibt [2, 4].

Übertragungswege

Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir der Viren, die die Hand-Fuß-Mund-Krankheit verursachen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt mit Speichel, Nasensekreten, respiratorischen Tröpfchen, Bläscheninhalt sowie kontaminierten Oberflächen oder Gegenständen. Spielzeug, Türgriffe, Wickeltische und andere häufig berührte Gegenstände können insbesondere in Kindertagesstätten zur Verbreitung beitragen. Die Übertragung durch kontaminierte Hände spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Erreger kann ebenfalls über den Stuhl von Erkrankten übertragen werden (fäkal-oral) [1, 2, 4].

Da viele Infektionen asymptomatisch verlaufen, kann es innerhalb von Familien, Schulen und Einrichtungen des Gesundheitswesens zu unbemerkten Übertragungen kommen [2, 4].

Verbreitung

Infektionen mit Coxsackie-Viren kommen weltweit vor und gehören zu den häufigsten Virusinfektionen im Kindesalter. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit ist in vielen Ländern endemisch und verursacht regelmäßig saisonale Ausbrüche. In gemäßigten Klimazonen treten Infektionen besonders häufig im Spätsommer und Herbst auf, können jedoch das ganze Jahr über vorkommen [1].

Kinder unter fünf Jahren stellen die am häufigsten betroffene Altersgruppe dar. Während Ausbrüchen können jedoch auch ältere Kinder und Erwachsene erkranken. Gemeinschaftsausbrüche werden besonders häufig in Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen beobachtet [1, 3].

In der Westpazifik-Region und in Teilen Asiens wurden in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt große Ausbrüche gemeldet. Einige Ausbrüche mit Enterovirus A71 gingen mit erhöhten Raten neurologischer Komplikationen und schwerer Erkrankungen einher [5].

Maßnahmen zur Infektionsprävention

Eine wirksame Prävention beruht in erster Linie auf konsequenten Hygienemaßnahmen. Regelmäßiges Händewaschen mit Wasser und Seife ist insbesondere nach dem Toilettengang, nach dem Wechseln von Windeln, nach dem Umgang mit potenziell kontaminiertem Material sowie vor der Zubereitung von Lebensmitteln wichtig [1, 3, 4].

Häufig berührte Oberflächen, gemeinsam genutzte Gegenstände, Spielzeuge und Sanitäreinrichtungen sollten regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden, insbesondere in Kindertagesstätten und Einrichtungen des Gesundheitswesens, in denen eine Übertragung leicht erfolgen kann [3].
Während der akuten Krankheitsphase sollte enger Kontakt zu infizierten Personen möglichst vermieden werden. Eine gute Atemwegshygiene, einschließlich des Abdeckens von Husten und Niesen, kann zusätzlich zur Reduzierung der Übertragung beitragen [3,4].

Derzeit steht in Europa und Nordamerika kein allgemein eingesetzter Impfstoff gegen Coxsackie-Viren zur Verfügung, die die Hand-Fuß-Mund-Krankheit verursachen. Für den westpazifischen Raum existieren mehrere Impfstoffe gegen EV-A71.[1,3].

Da Coxsackie-Viren unbehüllte Viren sind, weisen sie im Vergleich zu behüllten Viren eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber vielen Desinfektionsmitteln auf. Für die Händedesinfektion und Flächendesinfektion sollten daher Produkte mit nachgewiesener viruzider Wirksamkeit eingesetzt werden. [1].

Quellen

  1. Robert Koch Institute (RKI). RKI Guide to Hand, Foot and Mouth Disease (HFMD). Aktualisiert 2025.
    https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/11_25.pdf
  2. Centres for Disease Control and Prevention (CDC). HFMD: Causes and How It Spreads. Aktualisiert 2024.
    https://www.cdc.gov/hand-foot-mouth/causes/
  3. Centres for Disease Control and Prevention (CDC). About Hand, Foot and Mouth Disease. Aktualisiert  2024.
    https://www.cdc.gov/hand-foot-mouth/about/
  4. Federal Centre for Health Education (BZgA). Hand, Foot and Mouth Disease.
    https://www.infektionsschutz.de/infektionen/erregersteckbriefe/hand-fuss-mund-krankheit/
  5. World Health Organisation (WHO). Enterovirus 71.
    https://www.who.int/teams/health-product-policy-and-standards/standards-and-specifications/norms-and-standards/vaccine-standardization/enterovirus-71
  6. Pan American Health Organisation (PAHO/WHO). Epidemiological Alert: Hand, Foot and Mouth Disease. 2025.
    https://www.paho.org/sites/default/files/2025-03/2025-mar-26-phe-epidemiological-alert-hand-foot-mouth-disease.pdf

Der richtige Schutz: PSA-Maßnahmen im Überblick

Die Auswahl der geeigneten Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ist entscheidend, um Patientinnen und Patienten sowie Personal vor Infektionen zu schützen. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Art der erforderlichen PSA, basierend auf dem Übetragungsweg und dem damit verbundenen Infektionsrisiko.
PSA für Basishygiene

PSA gezielt und situativ verwenden. Je nach Kontaminationsrisiko können unabhängig vom Erreger Handschuhe, Schutzkittel, Mundschutz (MNS) oder Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiele: Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten, z. B. bei Durchfällen, ausgedehnter Wundversorgung

PSA zum Kontaktschutz oder zur Kontaktisolierung

Medizinische Einmalhandschuhe und Schutzkittel verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild können zusätzlich Schutzbrille und ein med. Mundschutz (MNS) erforderlich sein.

Beispiele: MRSA, Clostridioides difficile

PSA bei Tröpfchenisolierung

Medizinische Einmalhandschuhe, Schutzkittel und med. Mundschutz (MNS) verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild kann zusätzlich eine Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiel: Keuchhusten

PSA bei Aerogener Isolierung

Medizinische Einmalhandschuhe, Schutzkittel, Atemschutzmaske (z. B. FFP-2) verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild kann eine Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiele: offene Tuberkulose der Atemwege, Masern

PSA im Fall einer Sonderisolation

In der Regel Verwendung von Gebläseschutzanzügen.

Beispiele: Ebola, Marburgvirus

Erregersuche

Erreger kurz erklärt

Kompakte Hintergrundinformationen zu allen relevanten Pathogenen. Nutzen Sie jetzt unsere dynamische Erreger-Suchfunktion.

Diese Artikel könnten Sie ebenfalls interessieren