Internationaler Tag der Pflegenden 2026
Am 21. Mai 2026 wird HARTMANN das nächste HARTMANN SCIENCE CENTER Symposium veranstalten. 2026 ist für das HARTMANN SCIENCE CENTER ein besonderes Jahr: Wir feiern unser 15-jähriges Bestehen - 15 Jahre, in denen wissenschaftliche Evidenz, praxisnahe Forschung und ein offener Dialog mit medizinischen Fachgruppen den Kern unserer Arbeit bilden.
Erleben Sie ein praxisorientiertes, wissenschaftlich fundiertes Programm zu aktuellen Fragen rund um Hygiene und Infektionsschutz. Freuen Sie sich auf spannende Themenblöcke, darunter:
• Session 1: Von auris bis Zika - vom Ausbruch zur Lösung
• Session 2: Verbesserungspotenzial in der Hygiene
• Session 3: Neue Ansätze für die Infektionsprävention
Ihre Teilnahme: Digital per Live-Stream. Der Online-Stream wird in deutscher sowie in englischer Sprache via Simultanübersetzung angeboten.
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Blutdruckmanschetten gehören zu den am häufigsten eingesetzten Medizinprodukten im klinischen und ambulanten Alltag. Gleichzeitig stellen sie aus hygienischer Sicht eine besondere Herausforderung dar: Hohe Patientenkontaktfrequenz, begrenzte Zeitressourcen und materialbedingte Einschränkungen erschweren eine regelhafte und sichere Aufbereitung. In der Praxis führt dies häufig zu Abweichungen von bestehenden Hygieneempfehlungen - mit potenziellen Risiken für die Infektionsprävention.
Der Vortrag beleuchtet die Diskrepanz zwischen regulatorischen Anforderungen, hygienischen Leitlinien und der tatsächlichen Umsetzung im medizinischen Alltag. Anhand von Beobachtungen aus Klinik und Praxis sowie eigener Untersuchungsdaten werden typische Schwachstellen konventioneller Blutdruckmanschetten dargestellt, insbesondere im Hinblick auf Materialstruktur, Verschlusssysteme und Aufbereitbarkeit.
Im zweiten Teil wird eine alternative Lösung vorgestellt: eine wischdesinfizierbare Blutdruckmanschette, die gezielt für die hygienische Aufbereitung im Routinebetrieb entwickelt wurde. Eigene Labor- und Anwendungsdaten zeigen, inwiefern durch Materialwahl und Design eine reproduzierbare, wirksame Desinfektion ermöglicht werden kann, ohne den klinischen Workflow zusätzlich zu belasten.
Abschließend gibt der Vortrag einen Ausblick auf die zukünftige Rolle aufbereitungsfreundlicher Medizinprodukte in der Infektionsprävention und diskutiert, welchen Beitrag designbasierte Ansätze leisten können, um Hygieneanforderungen praxisnah und nachhaltig umzusetzen.
Noroviren verbreiten sich weltweit und tragen wesentlich zu akuten Gastroenteritiden bei.
In Langzeitpflegeeinrichtungen sind Ausbrüche besonders herausfordernd, vor allem in Abteilungen für Menschen mit Demenz oder gerontopsychiatrische Settings.
Das Ausbruchsmanagement sowie Hygiene- und Isolationsmassnahmen sind komplex und anspruchsvoll.
Isolations- bzw. Quarantänemassnahmen belasten nicht nur die körperliche Gesundheit. Sie haben auch bewiesene negative Folgen für die psychosoziale Gesundheit der vulnerablen Bewohner. Obwohl die psychosozialen Folgen gut beschrieben sind, fehlen oft konkrete Strategien, um diese Folgen zu minimieren.
Praxisnahe Strategien und geteilte Erfahrungen sind daher essenziell. Die Isolations-massnahmen sollten entsprechend der Ausbruchgrösse und der Institution/Abteilung angepasst werden.
Die Präsentation fasst Epidemiologie, Übertragungsdynamik und Hygienemassnahmen bei einem Norovirus-Ausbruch zusammen.
Die etablierte Wirksamkeitsprüfung von Desinfektionsmitteln basiert auf standardisierten Suspensions- und praxisnahen Trägertests, bildet jedoch die komplexen Bedingungen realer Oberflächenkontaminationen in medizinischen Einrichtungen nur unzureichend ab. Phase-3-Testkonzepte zielen daher auf eine Bewertung unter realitätsnahen Anwendungsbedingungen ab. Ein zweistufiges Phase-3-Konzept umfasst Phase 3/Stufe 1 als „simulated-use“-Ansatz und Phase 3/Stufe 2 als Feldtest. In Phase 3/Stufe 1 werden modifizierte Vierfeldertests mit klinisch relevanten Isolaten eingesetzt, um praxisnahe Bedingungen im Labor abzubilden. Dennoch verbleiben diese Untersuchungen im experimentellen Setting, in dem Mikroorganismen unter optimierten Wachstumsbedingungen kultiviert werden und meist nur einzelne Spezies oder definierte Mischpopulationen berücksichtigt werden. Demgegenüber ermöglichen Feldtests eine Bewertung unter realen Einsatzbedingungen mit der natürlichen, komplexen Oberflächenmikrobiota. Diese ist durch hohe Diversität sowie unterschiedliche physiologische Zustände auf Oberflächen mit hohem Umweltstress für die Mikroorganismen geprägt, welche die Empfindlichkeit gegenüber Desinfektionsmitteln wesentlich beeinflussen. Feldtests reflektieren somit die tatsächliche Expositionssituation deutlich besser. Ein Bewertungskonzept stellt die neu konzipierte „replication capacity after use“ (RCAU) dar, welche die Fähigkeit von Mikroorganismen beschreibt, nach Exposition unter Anwendungsbedingungen zu replizieren. Da die RCAU stark vom physiologischen Status abhängt, können laborbasierte Tests die reale Empfindlichkeit nur eingeschränkt abbilden. Insgesamt zeigen diese Konzepte, dass simulated-use-Ansätze eine Annäherung darstellen, während Feldtests die höchste Realitätsnähe erreichen und somit die belastbarste Grundlage für die Bewertung der praktischen Wirksamkeit liefern.
Die Wirksamkeit alkoholbasierter Hände-Desinfektionsmittel (HDM) wird gemäß Europäischer Normen mit standardisierten Verfahren geprüft. Für die hygienische Händedesinfektion existiert mit der EN 1500 eine praxisnahe Prüfung, die in der Regel mit einem minimalen Volumen von 3 mL durchgeführt wird. Bei der Anwendung im Klinikalltag lässt sich jedoch eine Diskrepanz zwischen der empfohlenen und der tatsächlichen Anwendungsmenge beobachten. Hier wird oft ein geringeres Volumen als die empfohlene Menge verwendet. Darüber hinaus erfordern einige HDM größere Mengen (>3 mL), um die erforderlichen Wirksamkeitsstandards zu erfüllen.
Um den Einfluss des Volumens auf die Benetzung der Hände genauer zu verstehen, wurden im ersten Schritt verschiedene Formate alkoholbasierter HDM (Flüssigkeit, Gel, Schaum) bezüglich Benetzung, Tropfen, Trocknungszeit und Anwenderzufriedenheit untersucht. Anschließend wurden unterschiedliche Volumina eines flüssigen HDM hinsichtlich Benetzung, Trocknungszeit und Anwenderzufriedenheit untersucht. In einem nächsten Schritt wurden die Anwendungsmengen, die eine ausreichende Benetzung der Hände erzielten, hinsichtlich ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit analysiert.
Die Untersuchung der verschiedenen Formate erfolgte mit 3 HDM (je 85 % (w/w) Ethanol). Die Teilnehmer desinfizierten ihre Hände an 3 Tagen mit den jeweiligen Formaten und dem vom Hersteller angegebenen Volumen. Das Einreiben erfolgte über einem Papier, um das Tropfverhalten zu ermitteln.
In der Folgestudie wurden die Teilnehmer gebeten, ihre Hände an 6 Tagen mit einer bestimmten Menge eines propanol-basierten HDM (75 % w/w) zu desinfizieren (0,5-3 mL).
Für die Benetzungsanalysen wurden alle verwendeten HDM mit einem fluoreszierenden Farbstoff (Visirub®) versetzt. Die Benetzung der Hände wurde mittels Hand-in-Scan™ gemessen. Als Einreibezeit gilt die Zeit, bis die Hände der Teilnehmer subjektiv trocken waren. Anschließend wurden alle Teilnehmer gebeten, ihre Zufriedenheit mit dem Produkt zu bewerten. Beide Studien wurden mit ungeschulten Teilnehmern außerhalb des Gesundheitswesens durchgeführt.
Die Analyse der Wirksamkeit wurde mit 1,5 mL eines propanol-basierten HDM in einem akkreditierten Labor mittels Abklatsch durchgeführt.
Unabhängig vom Format wurde mit allen drei HDM eine gute Benetzung der Hände erzielt. Während das flüssige HDM deutlich schneller trocknete, zeigte der Schaum ein besseres Tropfverhalten verglichen mit den anderen Formaten.
Zudem zeigte sich eine deutliche Korrelation zwischen dem Volumen des HDM und der Benetzung sowie der Einreibezeit. Bereits 1 mL reichte aus, um beide Hände in weniger als 20 Sekunden zu benetzen. Die Teilnehmer bevorzugten jedoch größere Mengen an HDM (>2 mL). Interessanterweise korrelierte weder Benetzung noch Einreibezeit mit der Handgröße der Teilnehmer. Die Resultate der Wirksamkeitsanalyse werden im Vortrag vorgestellt.
Die Ergebnisse der Studie liefern weitere Erkenntnisse über die Anforderungen an eine wirksame Händedesinfektion, um die Lücke zwischen Theorie und Praxis zu schließen.
Die meisten Erreger nosokomialer Infektionen können mit dem Wirkspektrum aus der Basishygiene bekämpft werden. Darunter fallen vegetative Bakterien, Hefen und behüllte Viren. Aufsummiert stellen diese Pathogene rund 90 % der Erreger nosokomialer Infektionen dar.
Clostridioides difficile wird bei ca. 8 % der nosokomialen Infektionen nachgewiesen und stellt somit die bedeutendste durch Sporen übertragene nosokomiale Infektion in Deutschland und Europa dar. Die Sporen überleben Monate bis Jahre auf Oberflächen und werden durch Desinfektionsmittel des Basiswirkspektrums nicht inaktiviert. Studien aus den letzten Jahren zeigten, dass neben Umgebungsflächen und unzureichender Händehygiene auch zentral genutzte Geräte (z. B. MRT oder CT) und Rollstühle an der Verbreitung von C. difficile beteiligt sind. Asymptomatische Patienten können ebenfalls zur Verteilung der Sporen beitragen.
Für eine effektive Prävention sind eine konsequente Händehygiene bestehend aus medizinischen Einmalhandschuhen, Händedesinfektion und -waschen sowie die Isolation symptomatischer Patienten entscheidend. Auch zusätzliche persönliche Schutzausrüstung kann hier Vorteile bringen.
Des Weiteren sind sporizide Flächen-Desinfektionsmittel essenziell. Empfohlen werden hierfür meist Produkte auf Basis von Sauerstoffabspaltern wie Wasserstoffperoxid (H2O2) oder einer Kombination aus H2O2 und Peressigsäure (PES). PES wirkt hier als Wirksamkeitsbooster für das H2O2 und führt zu einer Reduktion der erforderlichen Einwirkzeit. Da es sich bei PES allerdings um ein starkes Oxidationsmittel handelt, kann es zu Einschränkungen in der Materialverträglichkeit und der Anwendersicherheit kommen. Hier sollten die Vor- und Nachteile eines PES-enthaltenden Desinfektionsmittels kritisch gegeneinander abgewogen werden.
Infektionen mit C. difficile können schwerwiegende Folgen haben. Mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, konsequenten Hygienemaßnahmen und wirksamen Produkten zur Desinfektion und zum persönlichen Schutz kann der Endgegner C. difficile jedoch nachhaltig in Schach gehalten und die nosokomiale Verbreitung verhindert werden.
Wenn die Hand zum Handschuh greift…
…bleiben medizinische Einweghandschuhe oft länger an der Hand als nötig oder ersetzen unbewusst eine erforderliche Händedesinfektion. Handschuhe gehören selbstverständlich zum klinischen Alltag, doch ihr Einsatz entspricht nicht immer der jeweiligen Situation.
Häufig prägen Routinen, Zeitdruck, Unterbrechungen und komplexe Arbeitsabläufe die Entscheidungen im Alltag. Besonders an Übergängen zwischen Tätigkeiten – etwa zwischen Patienten, Umgebung und Material – zeigt sich, wie schnell Handschuhe von einer bewussten Schutzmaßnahme zu einem Automatismus werden. Und das nicht aufgrund fehlenden Wissens.
Genau hier setzt der Vortrag an. Nicht einzelne Regeln stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Entscheidungen im klinischen Alltag tatsächlich entstehen. Anhand konkreter und praxisnaher Situationen aus verschiedenen Bereichen wird aufgezeigt, wie Gewohnheiten, organisatorische Rahmenbedingungen und individuelle Verantwortung zusammenwirken und gezielt gestaltet werden können.
Ziel ist es, Mitarbeitende in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken, damit sie bewusst und situationsgerecht professionelle Entscheidungen treffen. Im Fokus steht dabei nicht die Diskussion über Kosten oder Ökologie, sondern ein reflektierter Umgang sowie ein sinnvoll eingespielter Gebrauch von Handschuhen – wenn die Hand zum Handschuh greift.
Klimawandel, Urbanisierung und Globalisierung begünstigen die Ausbreitung invasiver Stechmückenarten in Europa, insbesondere der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) und der Japanischen Buschmücke (Aedes japonicus). Beide Arten sind inzwischen in Deutschland etabliert und können relevante Arboviren wie Dengue-, Chikungunya- und West-Nil-Virus übertragen. Während Dengue weltweit jährlich hunderte Millionen Infektionen verursacht, wurden in den letzten Jahren auch in Europa vermehrt autochthone Fälle registriert. Das West-Nil-Virus zirkuliert seit 2018 in Ostdeutschland.
Modellierungen zeigen, dass steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster die saisonale Transmission verlängern und neue Regionen empfänglich machen. Damit gewinnen integrierte Surveillance-Systeme, vektorökologische Analysen und prädiktive Risikomodelle zunehmend an Bedeutung für die öffentliche Gesundheit und den Ausbau kritischer Infrastrukturen.
Neben Surveillance und Ausbruchsmanagement spielen präventive Maßnahmen eine zentrale Rolle: Dazu gehören Impfstoffe gegen Dengue und perspektivisch gegen weitere Arboviren, aber auch konsequente Hygienemaßnahmen und Expositionsprophylaxe im medizinischen Bereich. Am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) werden Impfstoffstudien wissenschaftlich begleitet sowie Repellentien unter standardisierten Bedingungen geprüft. Für wirksam getestete Produkte vergeben wir ein BNITM-Gütesiegel, das eine evidenzbasierte Orientierung für Gesundheitswesen und Öffentlichkeit bietet.
Nosokomiale Infektionen (HAI) sind vermeidbare Patientenschäden – mit Auswirkungen auf Morbidität, Mortalität, Antibiotikaverbrauch und Kosten. In der Praxis ist die Surveillance jedoch häufig retrospektiv, personalintensiv und lückenhaft: Hygieneteams müssen Laborwerte, Vitaldaten und klinische Dokumentation manuell sichten; Normalstationen bleiben oft untererfasst.
Das Bezirkskrankenhaus St. Johann i. T. und Symptoma haben daher zwei Projekte umgesetzt, die zeigen, wie datenbasierte Surveillance im Routinebetrieb praktikabel unterstützt werden kann. Eine KI-gestützte Auswertung strukturierter Routinedaten (z. B. Mikrobiologie, Medikation, Vitalparameter) wird mit NLP-basierter Analyse von Arzt- und Pflegetexten kombiniert, um anhand KISS-orientierter Kriterien potenziell relevante Konstellationen zu identifizieren und dem Hygieneteam strukturiert und priorisiert zur fachlichen Prüfung bereitzustellen.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist Datenschutz-by-Design: Die Verarbeitung erfolgt ausschließlich on-premise innerhalb der Krankenhausinfrastruktur – ohne Datenabfluss in externe Clouds. Die Lösung dient der Fallaufbereitung und Prozessunterstützung im Hygienemanagement; sie trifft keine Diagnosen und ersetzt keine medizinische Entscheidung. Interpretation, Klassifikation und Maßnahmenentscheidung verbleiben vollständig beim Fachpersonal.
Der Vortrag verbindet die Perspektive der Hygiene (Feedback, Prävention, Sicherheitskultur) mit digitaler Surveillance.