Patient monitoring device displaying vital signs beside a hospital bed in a clinical care setting.

The Intensive Care Unit of the Future 

Wie können Intensivstationen zukünftigen Herausforderungen begegnen?

Deutschlands Intensivstationen stehen aufgrund des steigenden Versorgungsbedarfs, der zunehmenden Behandlungskomplexität, der hohen Arbeitsbelastung, Infektionsrisiken und des Fachkräftemangels vor wachsenden Herausforderungen. Das Konsortialprojekt „Intensivstation der Zukunft“ [1] untersuchte zentrale zukünftige Herausforderungen für Intensivstationen und entwickelte neue Lösungsansätze. Im Fokus standen die Prävention von Krankenhausinfektionen, optimierte Arbeitsabläufe und zukunftsfähige Stationsstrukturen. Die Ergebnisse sollen Infektionsraten senken, Arbeitsbedingungen verbessern und eine effiziente, zukunftsfähige intensivmedizinische Versorgung unterstützen. Auch Industriepartner brachten praktische Expertise ein – darunter das HARTMANN SCIENCE CENTER mit zwei Schwerpunkten: Nachhaltigkeit und digitale Infektionsprävention.

Materialverbrauch und Nachhaltigkeit auf Intensivstationen

Gesundheitssysteme weltweit tragen erheblich zum Klimawandel bei: 2014 verursachten sie 4,4 % der globalen Treibhausgasemissionen [2]. Gleichzeitig belastet der Klimawandel die Gesundheit der Bevölkerung und führt zu einer höheren Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen. In den letzten Jahren ist daher das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen im Gesundheitswesen gewachsen [3]. Vor allem relevant ist dies für Intensivstationen, die eine besonders problematische Ökobilanz aufweisen [4]. Nachhaltige Materialien, Abfallreduktion und umweltfreundliche Technologien tragen zum Umweltschutz und zur Ressourcenschonung bei. Dies darf jedoch nicht zulasten der Patientensicherheit oder der Versorgungsqualität gehen. Da die Umsetzung von Faktoren wie Klima, rechtlichen Rahmenbedingungen und lokalen Gegebenheiten abhängt, sind pauschale Lösungen nur begrenzt möglich.

Digitale Lösungen und elektronische Monitoringsysteme

Obwohl bis zu 90 % der Krankheitserreger im Gesundheitsbereich über die Hände übertragen werden [5], besteht bei der Händehygiene-Compliance (HHC) Verbesserungsbedarf [6]. In Deutschland sind jährlich ca. 600.000 Patienten von nosokomialen Infektionen (NI) betroffen [7], was Kosten von rund 2 Mrd. € verursacht [8]. Digitale Lösungen und Monitoringsysteme können entscheidend dazu beitragen, NI auf Intensivstationen zu reduzieren, z. B. durch Optimierung der HHC, automatische Erkennung von Infektionsclustern sowie Umgebungsreinigung. Um bestehende digitale Systeme zukünftig optimal zu nutzen, sind ggf. bauliche bzw. infrastrukturelle Maßnahmen erforderlich. Die Integration künstlicher Intelligenz (KI) könnte künftig zusätzliche Potenziale bieten, etwa bei der Mustererkennung, der Surveillance und der frühzeitigen Identifikation von Infektionsrisiken.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Zukunftsfähige Intensivstationen müssen Nachhaltigkeit und Patientensicherheit gleichermaßen berücksichtigen.

  • Digitale Lösungen und KI eröffnen neue Potenziale für eine effektivere Infektionsprävention und optimierte Arbeitsabläufe.

Quellen

  1. Sunder W et al. (2026) Intensivstation der Zukunft. Leitfaden: Planung und Entwicklung baulicher und prozessualer Musterlösungen für Intensivstationen. BBSR-Online-Publikation 18/2026. Bonn. https://doi.org/10.58007/sa1h-2x96

  1. Karliner Josh et al. (2019) Health Care’s Climate Footprint: How the Health Sector Contributes to the Global Climate Crisis and Opportunities for Action. https://noharm-global.org/sites/default/files/documents-files/5961/HealthCaresClimateFootprint_092319.pdf (abgerufen am 05.08.2026)

  1. Prasad PA et al. (2022) Environmental footprint of regular and intensive inpatient care in a large US hospital. Int J Life Cycle Assess 27: 38–49. https://doi.org/10.1007/s11367-021-01998-8.

  1. Kramer A (2006) Händehygiene – Patienten- und Personalschutz. GMS Krankenhaushyg Interdiszip 1: Doc14. https://www.egms.de/static/en/journals/dgkh/2006-1/dgkh000014.shtml (abgerufen am 06.08.2026)

  1. KRINKO (2016) Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsbl 59: 1189-1220. https://doi.org/10.1007/s00103-016-2416-6.

  1. Suetens C et al. (2018) Prevalence of healthcare-associated infections, estimated incidence and composite antimicrobial resistance index in acute care hospitals and long-term care facilities: results from two European point prevalence surveys, 2016 to 2017. Euro Surveill 23: 1800516. https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2018.23.46.1800516.

  1. Nachtigall I, Bonsignore M (2018) Ökonomische Auswirkungen der Hygiene. Krankenhaushygiene up2date 13: 419–431. https://doi.org/10.1055/a-0749-6933

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