Die neue KRINKO-Empfehlung zur Flächenhygiene

05.12.2022

Am 29.09.2022 veröffentlichte die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) eine Aktualisierung und Erweiterung ihrer 2004 erschienen Empfehlung zu den „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“ [1]. So wird der Flächenhygiene nun der ein angemessener Stellenwert neben der Händehygiene eingeräumt.

Die neue Empfehlung der KRINKO gliedert sind grob gefasst in drei Teile:

(1) Ein allgemeiner Teil, in dem der aktuelle Stand der Wissenschaft und aktuelle Literatur wiedergegeben werden. Dieser Teil umfasst die Abschnitte 1-8 in dem Dokument der KRINKO.

(2) Die Empfehlungen der KRINKO zur Prävention nosokomialer Infektionen (Abschnitt 9). Diese Empfehlungen sind wie auch schon in anderen Empfehlungen der KRINKO mit den Evidenz-Kategorien versehen, die 2010 eingeführt wurden [2].

(3) Ein informativer Anhang mit weiterführenden Hintergrundinformationen wie zum Beispiel ausführlichen Tabellen.

Übertragungswege

Bei der Übertragung von Krankheitserregern zwischen Patienten stehen die Hände der Patienten, der Mitarbeiter der Einrichtung und die Hände der Besucher immer noch im Vordergrund. Daneben ist es jedoch auch wichtig, dass sich Händehygiene und eine indikationsgerechte Flächenhygiene aktiv ergänzen zur erfolgreichen Vermeidung nosokomialer Infektionen (Abbildung 1). Oberflächen können zu einem Reservoir für Krankheitserreger werden, da viele Mikroorganismen - abhängig von den allgemeinen Umgebungsbedingungen - einige Stunden, Tage oder gar Monate auf Oberflächen infektiös verbleiben können. Diese Tenazität verschiedener Mikroorganismen kann im informativen Anhang der KRINKO-Empfehlung nachgeschlagen werden.
Abbildung 1: Übertragungswege zwischen Patienten, Händen und Flächen. Übernommen aus der KRINKO-Empfehlung zur Flächenhygiene [1].

5 Momente der Flächenhygiene

2009 hat die World Health Organization (WHO) die „5 Momente der Händehygiene“ eingeführt [3,4]. 10 Jahre später, im Jahr 2019, hat das Autorenduo ‪Stephanie Dancer und Axel Kramer analog zu den 5 Momenten in der Händehygiene auch die „5 Momente der Flächenhygiene“ formuliert [5]. Dies wurde auch in das Dokument der KRINKO aufgenommen und wird empfohlen, wenn es um die Hygiene bei patientennahen Flächen geht (Abbildung 2):

  • Flächenhygiene als Teil der Basishygiene auf patientennahen Flächen, insbesondere häufig berührter Flächen
  • Gezielte Flächenhygiene nach Kontaminationen
  • Flächendesinfektion vor aseptischen Tätigkeiten
  • Schlussdesinfektion nach der Entlassung eines Patienten
  • Flächenhygiene als Teil eines umfassenden Maßnahmenbündels im Falle eines Ausbruches
Abbildung 2: Die 5 Momente der Flächenhygiene basierend auf der Publikation von Dancer et al. [5] sowie der KRINKO-Empfehlung zur Flächenhygiene [1].

Reinigung, Desinfektion und reinigende Desinfektion

Reinigung und Desinfektion gehen entweder Hand in Hand oder werden getrennt voneinander in zwei Schritten durchgeführt. Auch in der KRINKO-Empfehlung zur Flächenhygiene wird zwischen der Flächenreinigung, Flächendesinfektion und der desinfizierenden Flächenreinigung unterschieden und detaillierte Definitionen zu diesen Begriffen gegeben (Abbildung 3).

Das Ziel der Flächenreinigung ist die Entfernung von Schmutz und Verunreinigungen. Auch Mikroorganismen werden mechanisch entfernt, doch ist dies nicht das vorrangige Ziel der Reinigung und daher auch nicht durch Prüfmethoden und Normen validiert. Dem gegenüber steht die Flächendesinfektion, die ohne den zusätzlichen Anspruch einer Reinigung durchgeführt werden soll. Die Desinfektionsleistung ist dabei standardisiert, quantifiziert und auch gemäß gültiger Normen getestet. Die desinfizierende Flächenreinigung ist eine Kombination und ermöglicht Reinigung und Desinfektion in einem einstufigen Verfahren. Dies wird durch den Zusatz von reinigenden Stoffen wie z. B. Tensiden in Desinfektionsmitteln ermöglicht.
Abbildung 3: Einordnung von Reinigung, Desinfektion und desinfizierender Flächenreinigung basierend auf den Definitionen aus der KRINKO-Empfehlung zur Flächenhygiene [1].

Bereiche, Wirkspektren und Einwirkzeiten

Jede Einrichtung im Gesundheitswesen setzt sich aus vielen unterschiedlichen Bereichen und Anwendungen zusammen, die bei der Risikobewertung individuell berücksichtigt werden müssen. Dabei unterstützt die Empfehlung der KRINKO:

  • Bereiche werden gemäß ihres Infektionsrisikos erst in sechs verschiedene Kategorien unterteilt. Anschließend wird weiter zwischen patientennahen (häufig berührten) und patientenfernen (selten berührten) Flächen unterschieden. So kann für jede Fläche individuell entschieden werden, ob eine Reinigung, eine Desinfektion oder eine desinfizierende Reinigung notwendig ist.

  • In einem weiteren Schritt gibt die KRINKO Empfehlungen zum Wirkspektrum und der Einwirkzeit bei verschiedenen Anwendungen, z.B. vor aseptischen Tätigkeiten oder bei der Schlussdesinfektion.

Anhand dieser Unterteilung der Bereiche und Anwendungen kann für jede Fläche individuell eine Risikobewertung durchgeführt und eine entsprechende Maßnahme in Hygieneplan festgelegt werden.

Risiken für Mensch und Umwelt

Im allgemeinen Teil des Dokuments der KRINKO werden die toxikologischen Eigenschaften typischer Wirkstoffe in Desinfektionsmitteln aufgeführt. Obwohl eine kritische Auseinandersetzung mit bioziden Wirkstoffen grundsätzlichen zu befürworten ist, sollte berücksichtigt werden, dass die Bewertungen im Dokument der KRINKO nicht umfassend sind und dass dieses komplexe Thema nur angeschnitten werden kann. Für eine umfänglichere Auseinandersetzung sollten daher die Zulassungen und Bewertungen im Kontext der Biozid-Verordnung (BPR), der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) oder der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) stärker gewichtet werden. So schreibt z.B. auch die KRINKO in ihrer Empfehlung, dass der „Hauptzweck der (Biozid‑) Verordnung die Vermeidung unnötiger Gefahren für die Umwelt oder für Menschen (sei)“ [1].

Qualitätssicherung

Flächenhygiene erfordert neben der erforderlichen materiellen Ausstattung auch Personal, welches die Reinigung und Desinfektion letztendlich durchführt. Es wird empfohlen das Personal durch Einarbeitungsprogramme auf diese Tätigkeiten vorzubereiten und anschließend regelmäßig zu schulen. Ferner sollte mit standardisierten Arbeits- und Verfahrensanweisungen gearbeitet werden; als digitaler Helfer kann hier z.B. die My Hygiene SOP unterstützen. Auch ein regelmäßiges oder anlassbezogenes Hygienemonitoring wird von der KRINKO empfohlen. Dies kann auf verschiedenen Methoden beruhen, wie z.B. Abstriche, Kontaktkulturen oder fluoreszente Markierungen.

Fazit

Die aktualisierte und erweiterte Empfehlung der KRINKO zur Flächenreinigung und -desinfektion ist ein wichtiges Dokument für die Infektionsprävention und unterstützt bei der Vermeidung nosokomialer Infektionen. Die getroffenen Aussagen und Empfehlungen leisten einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz. Dennoch sollte das Dokument kritisch gelesen und unter Umständen auch hinterfragt werden, denn nur durch diese Auseinandersetzung und weniger durch die unreflektierte Umsetzung kann ein Mehrwert für den Patienten und das Personal generiert werden.

Sollten Sie Fragen zu diesem umfangreichen Dokument der KRINKO haben, melden Sie sich gerne einfach beim HARTMANN SCIENCE CENTER.

Quellen

[1] KRINKO (2022) Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen, Bundesgesundheitsbl 65:1074-1115

[2] KRINKO (2010) Die Kategorien in der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention - Aktualisierung der Definitionen, Bundesgesundheitsbl 53:754-756

[3] World Health Organization (2009) WHO guidelines on hand hygiene in health care, https://www.who.int/publications/i/item/9789241597906 (aufgerufen am 22.11.2022)

[4] Sax H et al. (2007) ‘My five moments for hand hygiene’: a user-centred design approach to understand, train, monitor and report hand hygiene. J Hosp Infect 67: 9-21.

[5] Dancer and Kramer (2019) Four steps to clean hospitlas, LOOK, PLAN, CLEAN and DRY. J Hosp Infect 103(1):e1-e8

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