Pilz, Hefe

Candidozyma auris

Pilz, Hefe
Candidozyma auris

Wirkspektrum:

levurozid

Übertragungsweg:

Direkter Kontakt Indirekter Kontakt

Hygienemaßnahmen:

Basishygiene (Hände und Fläche) Kontaktschutzmaßnahmen/Kontaktisolierung

Auf einen Blick

Candidozyma auris (früher Candida auris) ist ein aufkommender Hefepilz-Erreger, der beim Menschen schwere, invasive und potenziell lebensbedrohliche Infektionen verursachen kann. Der Organismus wurde erstmals 2009 in Japan aus einem Abstrich des äußeren Gehörgangs einer Patientin bzw. eines Patienten isoliert. Daraus leitet sich die Artbezeichnung auris (lateinisch für „Ohr“) ab. Seit seiner Entdeckung hat sich der Erreger rasch über mehrere Kontinente verbreitet und wird inzwischen als bedeutender nosokomialer Erreger angesehen. Im Jahr 2024 führten phylogenomische Untersuchungen zur Umklassifizierung von der Gattung Candida in die neue Gattung Candidozyma [1,2].

Candidozyma auris betrifft vor allem Personen mit Grunderkrankungen, geschwächtem Immunsystem, langen Krankenhausaufenthalten oder invasiven Medizinprodukten wie zentralvenösen Kathetern. Gesunde Menschen können den Erreger auf Haut oder Schleimhäuten tragen, ohne Symptome zu entwickeln, und dennoch zur Übertragung beitragen. Besonders problematisch ist die Fähigkeit des Erregers, Resistenzen gegen mehrere Antimykotika zu entwickeln, wodurch Infektionen schwer behandelbar werden [3,4].

Aufgrund seiner weltweiten gesundheitlichen Bedeutung wurde C. auris von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die im Jahr 2022 veröffentlichte Liste vorrangiger Pilzpathogene aufgenommen und dort als kritisch eingestuft (höchste Prioritätsstufe). Damit zählt der Erreger zu den Pilzpathogenen, die den dringendsten Bedarf in den Bereichen Forschung, Überwachung, Prävention und Therapieentwicklung aufweisen [5].

Im Detail

Symptome

Eine Besiedlung mit Candidozyma auris verläuft häufig symptomlos. Besiedelte Personen können die Hefe über lange Zeit auf der Haut tragen, insbesondere in Bereichen wie den Achselhöhlen, der Leistenregion oder anderen feuchten Körperstellen. Trotz fehlender Symptome können diese Personen als Reservoir für die Übertragung in Einrichtungen des Gesundheitswesens dienen [4].

Kommt es zu einer Infektion, kann C. auris eine Vielzahl klinischer Krankheitsbilder verursachen. Die schwerwiegendste Form ist die invasive Candidose, bei der der Erreger in die Blutbahn gelangt und Blutstrominfektionen (Candidämien) verursacht. Betroffene können Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie sowie Anzeichen einer Sepsis entwickeln, die trotz antibakterieller Therapie bestehen bleiben. Darüber hinaus wurden Wundinfektionen, Harnwegsinfektionen, Ohrinfektionen sowie Infektionen des zentralen Nervensystems und weiterer Organe beschrieben [4, 6].

Die Schwere der Erkrankung hängt maßgeblich vom Gesundheitszustand der betroffenen Person ab. Besonders gefährdet sind kritisch kranke Patientinnen und Patienten, Personen auf Intensivstationen, Transplantationsempfängerinnen und -empfänger sowie immungeschwächte Personen. Die Sterblichkeit bei invasiven C. auris-Infektionen wird als hoch beschrieben, wobei viele Betroffene zusätzlich schwere Begleiterkrankungen aufweisen, die zu einem ungünstigen Krankheitsverlauf beitragen [4, 7].

Eine besondere Herausforderung stellt die Resistenz des Erregers gegenüber einem oder mehreren häufig eingesetzten Antimykotika, einschließlich Fluconazol, dar. Einige Stämme weisen Multiresistenzen auf, wodurch die therapeutischen Möglichkeiten eingeschränkt werden und die Bedeutung von Infektionsprävention und frühzeitiger Erkennung weiter zunimmt [5, 7, 8].

Übertragungswege

Im Gegensatz zu vielen anderen Pilzpathogenen, die überwiegend aus Umweltquellen stammen, verbreitet sich Candidozyma auris effizient innerhalb von Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Übertragung erfolgt sowohl durch direkten als auch durch indirekten Kontakt [6, 8].
Eine direkte Übertragung kann über die Hände von Gesundheitspersonal erfolgen, nachdem Kontakt mit kolonisierten oder infizierten Personen bestand. Daher ist die konsequente Einhaltung der Händehygiene von entscheidender Bedeutung, um eine Weiterverbreitung zu verhindern [7, 8].

Die indirekte Übertragung erfolgt über kontaminierte Medizinprodukte, Krankenhausausstattung, Oberflächen sowie Gegenstände in unmittelbarer Patientennähe. Der Erreger zeichnet sich durch seine Fähigkeit aus, auf unbelebten Oberflächen mehrere Tage und unter bestimmten Bedingungen sogar bis zu drei Wochen zu überleben. Diese lange Umweltpersistenz erhöht das Risiko nosokomialer Ausbrüche und macht konsequente Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen erforderlich [9].

Einrichtungen des Gesundheitswesens, insbesondere Intensivstationen, Langzeitpflegeeinrichtungen und Stationen mit besonders vulnerablen Patientengruppen, stellen die wichtigsten Orte der Übertragung dar. Weltweit wurden zahlreiche Ausbrüche dokumentiert, die häufig mit anhaltender Umweltkontamination und einer verspäteten Identifikation kolonialisierter Personen in Zusammenhang standen [5, 8].

Verbreitung

Seit der Erstbeschreibung im Jahr 2009 wurde Candidozyma auris auf allen bewohnten Kontinenten nachgewiesen und gilt heute als weltweit aufkommender Erreger. Zahlreiche Länder haben nosokomiale Ausbrüche dokumentiert, die das Potenzial des Pilzes zur raschen internationalen Verbreitung und Etablierung in Gesundheitssystemen verdeutlichen [1, 5, 10].

Der Anstieg der gemeldeten Fallzahlen in den vergangenen Jahren wird teilweise auf verbesserte diagnostische Verfahren und eine intensivere Überwachung zurückgeführt, spiegelt jedoch auch eine tatsächliche epidemiologische Ausbreitung wider. Internationale Reisen, Patientenverlegungen sowie die lange Überlebensfähigkeit in Einrichtungen des Gesundheitswesens haben wahrscheinlich zu dieser Entwicklung beigetragen [5, 8].

Fälle wurden in Europa, Nordamerika, Asien, Afrika und Südamerika insbesondere bei hospitalisierten Patientinnen und Patienten dokumentiert, die intensivmedizinisch versorgt werden mussten. Nationale und internationale Gesundheitsbehörden überwachen die Entwicklung aufgrund des Ausbruchspotenzials und der Antimykotikaresistenzen sehr genau [7, 10, 11].

Die Einstufung als Pilzpathogen der höchsten Prioritätsstufe durch die WHO unterstreicht die weltweite Besorgnis über seine Auswirkungen auf Gesundheitssysteme [5, 7].

Maßnahmen zur Infektionsprävention

Die Prävention der Übertragung von Candidozyma auris beruht auf einer Kombination aus Überwachung, Screening, Isolierungsmaßnahmen, Händehygiene, Umwelthygiene und dem sachgerechten Einsatz von Desinfektionsmitteln. Einrichtungen des Gesundheitswesens sollten gezielte Screening-Strategien für Risikopatientinnen und -patienten implementieren und kolonialisierte oder infizierte Personen frühzeitig identifizieren [8, 12].

Eine konsequente Händehygiene zählt zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen. Gesundheitspersonal sollte die Händedesinfektion entsprechend den geltenden Leitlinien zur Infektionsprävention vor und nach Patientenkontakt sowie nach Kontakt mit potenziell kontaminierten Oberflächen oder Geräten durchführen [7, 8].

Da der Erreger über längere Zeit auf Oberflächen überleben kann, sind eine gründliche Reinigung und Desinfektion von Patientenbereichen sowie wiederverwendbaren Medizinprodukten unerlässlich. Besonderes Augenmerk sollte auf häufig berührte Oberflächen und Geräte in der unmittelbaren Patientenumgebung gelegt werden [9, 12].

Zur Inaktivierung von Hefepilzen wird grundsätzlich ein levurozides Desinfektionsmittel empfohlen, das z. B. gemäß EN13624 und EN16615 gegen Candida albicans getestet wurde. Aufgrund der hohen Widerstandsfähigkeit von C. auris hat HARTMANN die Flächen-Desinfektionsmittel Mikrobac® forte und Dismozon® plus zusätzlich auf ihre Wirksamkeit gegenüber C. auris getestet. Es konnte gezeigt werden, dass mit als levurozid ausgelobten Einwirkzeiten und Konzentrationen auch eine ausreichende Wirksamkeit gegen C. auris besteht. Im Falle von C. auris kann daher auf ein levurozides Desinfektionsmittel zurückgegriffen werden [13, 14].

Flächen-Desinfektionsmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Quellen

  1. Satoh K et al. (2009). Candida auris sp. nov., a novel ascomycetous yeast isolated from the external ear canal of an inpatient in a Japanese hospital. Microbiol Immunol. 53(1):41-44.
  2. Liu et al. (2024). Phylogenomic analysis of the Candida auris-Candida haemulonii clade and related taxa in the Metschnikowiaceae, and proposal of thirteen new genera, fifty-five new combinations and nine new species.
  3. Wagener und Kurzai (2019). Candida auris: Steckbrief eines neuen Pilzes. Dtsch Arztebl 2019; 116(29-30): [4]; DOI: 10.3238/PersInfek.2019.07.22.01
  4. Smith et al. (2018). Candida auris: a Review of the Literature. Clin Microb Rev 31(1):e00029-17.
  5. World Health Organization (2022). WHO fungal priority pathogens list to guide research, development and public health action.
  6. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (2026). About C. auris.
  7. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) (2018). Candida auris in healthcare settings – Europe – first update.
  8. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (2020). Candida auris: a drug-resistant germ that spreads in healthcare facilities.
  9. Wißmann JE et al. (2021). Persistence of Pathogens on Inanimate Surfaces: A Narrative Review. Microorganisms. 9:343.
  10. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) (2025). Survey on the epidemiological situation, laboratory capacity and preparedness for Candidozyma (Candida) auris, 2024.
  11. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Candida auris – Infection Control Guidance.
  12. Nationales Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen (2019). Kurzinfo: Candida auris.
  13. Rutala WA et al. (2019). Susceptibility of Candida auris and Candida albicans to 21 germicides used in healthcare facilities.
  14. Müller A et al. (2020). Investigation of the susceptibility of Candida auris and Candida albicans to chemical disinfectants using European Standards EN 13624 and EN 16615. J Hosp Infect. 105:648-656.

Der richtige Schutz: PSA-Maßnahmen im Überblick

Die Auswahl der geeigneten Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ist entscheidend, um Patientinnen und Patienten sowie Personal vor Infektionen zu schützen. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Art der erforderlichen PSA, basierend auf dem Übetragungsweg und dem damit verbundenen Infektionsrisiko.
PSA für Basishygiene

PSA gezielt und situativ verwenden. Je nach Kontaminationsrisiko können unabhängig vom Erreger Handschuhe, Schutzkittel, Mundschutz (MNS) oder Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiele: Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten, z. B. bei Durchfällen, ausgedehnter Wundversorgung

PSA zum Kontaktschutz oder zur Kontaktisolierung

Medizinische Einmalhandschuhe und Schutzkittel verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild können zusätzlich Schutzbrille und ein med. Mundschutz (MNS) erforderlich sein.

Beispiele: MRSA, Clostridioides difficile

PSA bei Tröpfchenisolierung

Medizinische Einmalhandschuhe, Schutzkittel und med. Mundschutz (MNS) verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild kann zusätzlich eine Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiel: Keuchhusten

PSA bei Aerogener Isolierung

Medizinische Einmalhandschuhe, Schutzkittel, Atemschutzmaske (z. B. FFP-2) verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild kann eine Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiele: offene Tuberkulose der Atemwege, Masern

PSA im Fall einer Sonderisolation

In der Regel Verwendung von Gebläseschutzanzügen.

Beispiele: Ebola, Marburgvirus

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