Glossar
Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der die Immunreaktion, die einer Infektion folgt, den ganzen Körper betrifft und multiple Organe schädigen kann. Im Volksmund wird Sepsis häufig als Blutvergiftung bezeichnet. Der Begriff beschreibt das Krankheitsbild jedoch nur ungenau, denn Sepsis betrifft neben dem Blut auch Gewebe und Organe. Außerdem entsteht eine Sepsis nicht allein, weil Erreger im Blut sind und dieses „vergiften“. Die Ursache für eine Sepsis liegt vielmehr in der inadäquaten Reaktion des Immunsystems auf die Infektion begründet.
Sepsis ist ein absoluter Notfall. Je schneller eine erkrankte Person behandelt wird, desto besser sind die Überlebens- und Heilungschancen.
Eine Sepsis wird in den meisten Fällen durch eine bakterielle Infektion ausgelöst. Seltener sind Pilze, Viren oder Parasiten für die Entstehung verantwortlich.
Zu den häufigsten Erregern zählen E. coli, Streptokokken, Staphylokokken, Pseudomonaden, Bacilli, Enterokokken, Enterobacter spp., Candida spp. sowie Klebsiellen. Es wird angenommen, dass in Deutschland etwa gleich viele der Infektionen ambulant wie nosokomial erworben werden. Tiefe Atemwegsinfektionen, postoperative Wundinfektionen, primäre Sepsis ohne nachweisbaren Organfokus (inkl. Gefäßkatheter-assoziierte Infektionen) und symptomatische Harnwegsinfekte zählen zu den nosokomialen Infektionen, die am häufigsten mit einer Sepsis einhergehen [1].
Grundsätzlich kann jede Person, die an einer Infektion erkrankt, eine Sepsis entwickeln. Angesichts von weltweit rund 50 Millionen Sepsisfällen und etwa 11 Millionen sepsisbedingten Todesfällen pro Jahr betrifft die Erkrankung Menschen aller Altersgruppen und Regionen [2]. Auch in Deutschland stellt Sepsis eine erhebliche gesundheitliche Herausforderung dar und zählt zu den häufigsten Todesursachen. Aktuelle Analysen weisen darauf hin, dass die Zahl sepsisbedingter Todesfälle mit rund 211.000 Fällen im Jahr 2021 deutlich höher liegt als bislang angenommen [3, 4].
Das Risiko für eine Sepsis ist jedoch nicht für alle Menschen gleich hoch. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Neugeborene, Schwangere, hospitalisierte Patientinnen und Patienten sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem oder bestimmten Vorerkrankungen. Auch Menschen ohne Milz haben ein erhöhtes Risiko, schwer an einer Infektion zu erkranken und eine Sepsis zu entwickeln [5]. Da jede Infektion der Ausgangspunkt einer Sepsis sein kann, sind eine frühzeitige Erkennung von Infektionen sowie geeignete Präventionsmaßnahmen von besonderer Bedeutung.
Häufige Symptome einer Sepsis sind Fieber oder Hypothermie, beschleunigte Herzfrequenz, beschleunigte Atmung sowie Leukozytose oder Leukopenie. Außerdem können Bewusstseinsveränderung, Blutdruckabfall, Erschöpfung, Husten, Bauchschmerzen, gerötete Wunden oder Schmerzen beim Urinieren/im Nierenbereich vorliegen Die meisten Symptome sind nicht für eine Sepsis spezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Als Leitkriterien für Sepsis gelten nach der 2017 überarbeiteten Definition: Organdysfunktion, nicht auf Flüssigkeitszufuhr ansprechender kardiovaskulärer Kollaps, Laktatwerte über 2 mmol/L [6].
Da Zeit bei der Behandlung einer Sepsis wesentlich ist, sollte bei Verdacht sofort ein medizinischer Notruf abgesetzt werden. An Sepsis Erkrankte werden intensivmedizinisch betreut und erhalten neben stabilisierenden Maßnahmen eine intravenöse antimikrobielle. Behandlung. Es wird unverzüglich eine Breitbandtherapie begonnen, die ein Großteil der potentiellen Erreger abdeckt. Erst wenn die Ergebnisse der Erregerdiagnostik vorliegen, wird die antimikrobielle Behandlung eingegrenzt [7].
Wenn eine an Sepsis erkrankte Person genesen ist, sollte ausreichend Zeit für die Rekonvaleszenz eingeplant und geprüft werden, ob Rehabilitationsbedarf besteht.
Der einfachste Weg zur Vorbeugung von Sepsis besteht darin, Infektionen zu verhindern. Dies umfasst die Anwendung wirksamer Hygienemaßnahmen wie Händehygiene, Programme zur Infektionsprophylaxe, sichere Zubereitung von Lebensmitteln, Verbesserung der Wasserqualität, Zugang zu Impfstoffen sowie eine angemessene Ernährung.
Quellen: