Bakterium

Bordetella pertussis

Bakterium
Bordetella pertussis

Wirkspektrum:

bakterizid

Übertragungsweg:

Direkter Kontakt Tröpfchen o. Aerosole, überwiegend Nahdistanz-Übertragung Indirekter Kontakt

Hygienemaßnahmen:

Basishygiene (Hände und Fläche) Tröpfchenisolierung (Nahdistanz-Übertragung)

Auf einen Blick

Bordetella pertussis ist ein Gram-negatives, aerobes Stäbchenförmiges Bakterium aus der Familie der Alcaligenaceae und der Haupterreger des Keuchhustens (Pertussis), einer hochansteckenden Atemwegserkrankung. Das Bakterium infiziert ausschließlich den Menschen und besiedelt die zilientragenden Epithelzellen der oberen Atemwege. Es produziert verschiedene Toxine, darunter das Pertussis-Toxin, die wesentlich zu den charakteristischen Symptomen und zum Krankheitsverlauf beitragen [1, 2].

Trotz der breiten Verfügbarkeit von Impfstoffen stellt Pertussis weltweit weiterhin eine bedeutende Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar. Wiederkehrende Ausbrüche treten aufgrund einer nachlassenden Immunität nach Impfung oder natürlicher Infektion, unvollständiger Impfabdeckung sowie einer verbesserten Diagnostik und erhöhten Aufmerksamkeit weiterhin auf. Säuglinge, die noch nicht vollständig geimpft werden können, tragen das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle [3, 4].

Im Detail

Symptome

Nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich sieben bis zehn Tag. Verlauft die Erkrankung typischerweise in drei Stadien.

Das erste Stadium, das sogenannte Katarrhalstadium, ähnelt einem gewöhnlichen Infekt der oberen Atemwege und ist durch Schnupfen, leichten Husten, Niesen und leichtes Fieber gekennzeichnet. Da die Symptome in dieser Phase unspezifisch sind, wird Pertussis häufig nicht erkannt, obwohl infizierte Personen bereits hoch ansteckend sind und erheblich zur Weiterverbreitung der Erkrankung beitragen [4, 1].

Nach ein bis zwei Wochen geht die Erkrankung in das Paroxysmalstadium über. In dieser Phase treten wiederholt schwere, unkontrollierbare Hustenanfälle auf, die von dem charakteristischen keuchenden Einatemgeräusch begleitet sein können. Die heftigen Hustenanfälle können zu Erbrechen, Schlafstörungen, Atembeschwerden und ausgeprägter Erschöpfung führen. Bei jungen Säuglingen fehlt das typische Keuchen häufig. Stattdessen können Apnoen und Zyanosen auftreten, wodurch Pertussis in dieser Altersgruppe besonders gefährlich ist [3, 4].

Das letzte Stadium, die Rekonvaleszenzphase, ist durch eine allmähliche Abnahme der Häufigkeit und Schwere der Hustenanfälle gekennzeichnet. Die Genesung verläuft jedoch oftmals langwierig, und Hustenattacken können insbesondere nach sekundären Atemwegsinfektionen noch über Wochen oder sogar Monate auftreten. Aufgrund dieses langanhaltenden Verlaufs wird Pertussis häufig als „100-Tage-Husten“ bezeichnet [4, 5].

Übertragungswege

Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir von Bordetella pertussis. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch respiratorische Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen freigesetzt werden. Das Bakterium verbreitet sich sehr effizient bei engem zwischenmenschlichem Kontakt und wird daher häufig innerhalb von Familien, in Schulen, Kindertagesstätten sowie in Einrichtungen des Gesundheitswesens übertragen. Da die ersten Symptome einer gewöhnlichen Erkältung ähneln, verbreiten infizierte Personen den Erreger häufig unbemerkt, bevor eine Diagnose gestellt wird [6, 4].

Die höchste Ansteckungsfähigkeit besteht während des frühen Katarrhalstadiums sowie in den ersten Wochen nach Beginn des Hustens. Ohne antibiotische Behandlung können infizierte Personen bis zu drei Wochen nach Auftreten des charakteristischen Hustens infektiös bleiben. Eine frühzeitige antimikrobielle Therapie kann die Dauer der Ansteckungsfähigkeit deutlich verkürzen und zur Eindämmung der Weiterverbreitung beitragen [2].

Verbreitung

Pertussis kommt weltweit vor und stellt trotz verfügbarer Impfstoffe weiterhin eine bedeutende Infektionskrankheit dar. Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir des Erregers. Die Übertragung erfolgt primär über respiratorische Tröpfchen bei engem Kontakt zwischen Personen. Aufgrund der unspezifischen Frühsymptome erfolgt die Weiterverbreitung häufig bereits vor Diagnosestellung [3].

Maßnahmen zur Infektionsprävention

Die Impfung stellt die wirksamste Maßnahme zur Prävention von Pertussis und seinen Komplikationen dar. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt die routinemäßige Immunisierung von Kindern mit pertussishaltigen Impfstoffen bereits im frühen Säuglingsalter sowie Auffrischungsimpfungen entsprechend den nationalen Impfempfehlungen. In vielen Ländern wird zudem eine Impfung während der Schwangerschaft empfohlen, da mütterliche Antikörper Neugeborenen in den ersten Lebensmonaten einen passiven Schutz vermitteln, bevor die Grundimmunisierung abgeschlossen werden kann [3].

Weitere Präventionsmaßnahmen umfassen eine hohe Impfquote in der Bevölkerung, die rechtzeitige Durchführung von Auffrischungsimpfungen sowie die möglichst frühzeitige Diagnosestellung. Personen mit Verdacht auf oder nachgewiesener Pertussis sollten Maßnahmen der Atemwegshygiene einhalten, engen Kontakt zu besonders gefährdeten Personen wie Säuglingen vermeiden und bei entsprechender Indikation eine geeignete antibiotische Behandlung erhalten. Diese Maßnahmen reduzieren sowohl die Übertragung der Erkrankung als auch das Risiko von Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen und Einrichtungen des Gesundheitswesens [6, 4].

Aus hygienischer Sicht können Händedesinfektion und Flächendesinfektion mit Produkten mit nachgewiesener bakterizider Wirksamkeit zur Infektionsprävention in Einrichtungen des Gesundheitswesens beitragen. Obwohl Pertussis primär über respiratorische Tröpfchen übertragen wird, stellen geeignete Hygienemaßnahmen einen wichtigen Bestandteil umfassender Präventionsstrategien dar [2].

Quellen

  1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Clinical Overview of Pertussis. Aktualisiert 2025.
    https://www.cdc.gov/pertussis/hcp/clinical-overview/ (abgerufen am 08.07.2026)
  2. Robert Koch-Institut (RKI). RKI-Ratgeber Keuchhusten (Pertussis). Aktualisiert 2025.
    https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html (abgerufen am 08.07.2026)
  3. World Health Organization (WHO). Pertussis. Aktualisiert 2025/2026.
    https://www.who.int/health-topics/pertussis (abgerufen am 08.07.2026)
  4. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Factsheet about Pertussis.
    https://www.ecdc.europa.eu/en/pertussis (abgerufen am 08.07.2026)
  5. Bundesministerium für Gesundheit. Keuchhusten (Pertussis): Ursachen, Verlauf, Behandlung.
    https://gesund.bund.de/keuchhusten (abgerufen am 08.07.2026)
  6. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). About Whooping Cough (Pertussis). Aktualisiert 2026.
    https://www.cdc.gov/pertussis/ (abgerufen am 08.07.2026)

Der richtige Schutz: PSA-Maßnahmen im Überblick

Die Auswahl der geeigneten Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) ist entscheidend, um Patientinnen und Patienten sowie Personal vor Infektionen zu schützen. Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über die Art der erforderlichen PSA, basierend auf dem Übetragungsweg und dem damit verbundenen Infektionsrisiko.
PSA für Basishygiene

PSA gezielt und situativ verwenden. Je nach Kontaminationsrisiko können unabhängig vom Erreger Handschuhe, Schutzkittel, Mundschutz (MNS) oder Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiele: Kontakt mit Blut, Sekreten, Exkreten, z. B. bei Durchfällen, ausgedehnter Wundversorgung

PSA zum Kontaktschutz oder zur Kontaktisolierung

Medizinische Einmalhandschuhe und Schutzkittel verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild können zusätzlich Schutzbrille und ein med. Mundschutz (MNS) erforderlich sein.

Beispiele: MRSA, Clostridioides difficile

PSA bei Tröpfchenisolierung

Medizinische Einmalhandschuhe, Schutzkittel und med. Mundschutz (MNS) verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild kann zusätzlich eine Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiel: Keuchhusten

PSA bei Aerogener Isolierung

Medizinische Einmalhandschuhe, Schutzkittel, Atemschutzmaske (z. B. FFP-2) verwenden. Je nach Erreger und Krankheitsbild kann eine Schutzbrille erforderlich sein.

Beispiele: offene Tuberkulose der Atemwege, Masern

PSA im Fall einer Sonderisolation

In der Regel Verwendung von Gebläseschutzanzügen.

Beispiele: Ebola, Marburgvirus

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