Coronavirus SARS-CoV-2

Überleben von
SARS-CoV-2 auf Oberflächen

Omikron-Varianten stabiler als Ursprungsvirus

7/22/2022

Nachdem zu Beginn der COVID-19-Pandemie kaum etwas über SARS-CoV-2 bekannt war, sind im Verlauf der Pandemie unzählige wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen worden. Auch die Stabilität des Virus auf Oberflächen wurde eingehend erforscht, denn diese erlaubt Rückschlüsse auf das Übertragungsrisiko durch Gegenstände wie Türklinken, Lichtschalter etc. Doch die Mutationsfreudigkeit des Virus mischt die Karten regelmäßig neu, da sich die Varianten teils deutlich in ihrer Stabilität unterscheiden.

SARS-CoV-2-Ursprungsvariante und SARS-CoV-1 ähnlich stabil auf Flächen

Dass die Stabilität auf Oberflächen nicht nur vom Virus selbst, sondern auch vom Oberflächenmaterial abhängt, zeigten van Doremalen et al. bereits im April 2020 [1]. Die Forschenden verglichen die Ursprungsvariante von SARS-CoV-2 mit dem 2002/2003 hauptsächlich in Asien zirkulierenden SARS-CoV-1 und kamen zum Ergebnis, dass diese ähnlich stabil sind. Allerdings lag die Stabilität auf Plastik und rostfreiem Stahl deutlich über der auf Kupfer oder auch Pappe. Infektiöse Viruspartikel wurden auf Plastik und Stahl noch nach 72 Stunden detektiert, während auf Kupfer bereits nach 4 Stunden (SARS-CoV-2) bzw. 8 Stunden (SARS-CoV-1) keine intakten Viren mehr gefunden wurden [1].

Omikron-Varianten deutlich stabiler als Ursprungsvariante

Eine kürzlich erschienene Studie von Hirose et al. verglich die Stabilität verschiedener SARS-CoV-2-Varianten auf Plastik und Haut miteinander [2]. Das Ergebnis: Alle untersuchten Varianten (Wuhan, Alpha, Beta, Gamma, Delta, Omikron BA.1 und BA.2) blieben auf Plastikoberflächen sehr viel länger infektiös als auf Haut. Außerdem waren die Omikron-Varianten deutlich stabiler als z.B. die Wuhan- oder die Gamma-Variante. Die kürzesten medianen Überlebenszeiten wurden mit 8,6 Stunden (Haut) bzw. 56 Stunden (Plastik) für die Wuhan-Variante ermittelt, die längsten mit 22,5 Stunden (Haut) bzw. 199,7 Stunden (Plastik) für Omikron BA.2 [2]. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich alle Varianten durch alkoholische Standard-Desinfektionsmittel mit begrenzt viruzider Wirksamkeit ausreichend inaktivieren ließen [2]. Auch wenn die aktuell vorherrschenden Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 in der Studie noch nicht berücksichtigt wurden, ist aufgrund der Virushülle eine ähnliche Wirksamkeit anzunehmen.

Von Oberflächenproben erhobene CT-Werte sagen wenig über Infektiosität aus

Wenn es um Aussagen zur Stabilität des Virus‘ geht, ist allerdings auf die Nachweismethodik zu achten. Ein Forschungsteam um Professor Johannes Knobloch (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) beschäftigte sich jüngst mit der Frage, inwiefern per Real-time-PCR erhobene CT-Werte von Oberflächenproben das Infektionsrisiko abbilden [3]. Dabei stellte sich heraus, dass diese allein keinen Hinweis darauf geben, ob infektiöse SARS-CoV-2-Viren vorhanden sind; die PCR funktioniert nämlich auch mit RNA-Resten inaktiver Partikel. Während die PCR bei etlichen Proben aus der Umgebung der Intensivstation positiv war, gelang es den Forschenden nicht, infektiöse Viren daraus anzuzüchten [3].

Aus den Ergebnissen darf allerdings nicht abgeleitet werden, dass SARS-CoV-2-kontaminierte Oberflächen keinerlei Infektionsrisiko bergen. Gerade in sensiblen Bereichen bleibt die Flächendesinfektion zur Vermeidung von Ansteckungen ein wichtiger Baustein der Infektionsprävention.

Quellen:

  1. van Doremalen N et al. (2020) Aerosol and Surface Stability of SARS-CoV-2 as Compared with SARS-CoV-1. N Engl J Med 382: 1564–1567. https://doi.org/10.1056%2FNEJMc2004973.
  2. Hirose R et al. (2022) Differences in environmental stability among SARS-CoV-2 variants of concern: Both Omicron BA.1 and BA.2 have higher stability. Clin Microbiol Infect S1198-743X(22)00279-8. https://doi.org/10.1016/j.cmi.2022.05.020.
  3. Knobloch JK et al. (2022). Infektiosität von SARS-CoV-2 auf unbelebten Oberflächen [Vortrag beim DGKH-Kongress 2022]. https://shop.mhp-verlag.de/media/pdf/81/e5/94/hm202213.pdf?utm_source=DGKH-Abstract&utm_medium=Link&utm_campaign=2022 (aufgerufen am 30.06.2022).

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