Nosokomiale Infektionen

Umsetzung einer krankenhausweiten Initiative verbessert Infektionsprävention und Sepsis-Versorgung

26.04.2022

Nosokomiale Infektionen (NI) und Sepsis-Sterblichkeit sind wichtige Probleme der öffentlichen Gesundheit. Vielfach wurde bereits gezeigt, dass Strategien zur Reduktion von NI die Situation deutlich verbessern können. In den USA ermöglicht eine Reform des Gesundheitssystems es seit 2012 Krankenhäusern mit Anreizzahlungen infektionspräventive Strategien einzuführen, um sowohl NI als auch die Sepsis-Sterblichkeit zu senken. Die Autor/innen einer 2021 veröffentlichten Studie nutzten die Gelegenheit und führten von 2013 bis 2017 eine prospektive Beobachtungsstudie zur Qualitätsverbesserung in einem öffentlichen akademischen Krankenhaus mit 770 Betten in Texas (USA) durch [1]. Aufgrund der Teilnahme an dem staatlich finanzierten Programm konnte die Klinik eine vordefinierte Reihe von Interventionen umsetzen. Zu diesen gehörten eine Sensibilisierungskampagne (z.B. Newsletter, Bildschirmschoner, Teilen von Surveillance-Daten), Engagement von Kliniker/innen (z.B. Lunch-Seminare, Fokusgruppentreffen), Implementierung von NI- und Sepsis-Bündeln, Schulung des klinischen Personals zu den Bündeln, Schulung von Führungskräften und Personal in Methoden der Qualitätsverbesserung sowie die klinische Entscheidungsunterstützung durch elektronische Patientenakten.

Infektionsraten und Sepsis-Mortalität konnten erheblich gesenkt werden

Für den 5-jährigen Studienzeitraum wurden Gefäßkatheter-assoziierte Blutstrominfektionen (BSI), Katheter-assoziierte Harnwegsinfekte (HWI), postoperative Wundinfektionen (surgical site infections, SSI) sowie Sepsis-Mortalität als primäre Endpunkte definiert. Die Daten wurden von geschulten Hygienefachkräften durch Überprüfung der elektronischen Krankenakten erhoben. Dabei zeigte sich, dass die Gesamtinfektionsraten über den Zeitraum erheblich gesenkt werden konnten. So wurden 2017 73% weniger HWI, 52% weniger BSI und 62% weniger SSI erfasst als 2013. Außerdem konnte die unbereinigte Mortalitätsrate bei Patient/innen mit Sepsis-Verdacht um 69% gesenkt werden. All diese Effekte waren statistisch signifikant.

Deutlich erhöhter Verbrauch von Hände-Desinfektionsmitteln weist auf bessere Händehygiene hin

Neben den Daten zu den primären Endpunkten wurden auch verschiedene Prozesse, wie z.B. Compliance mit Maßnahmenbündeln, Händehygiene und Sicherheitskultur, regelmäßig überwacht. Dabei zeigte sich, dass sich die Compliance mit den Maßnahmenbündeln sowie die Händehygiene während des gesamten Studienzeitraums verbesserten. Während der durchschnittliche monatliche Verbrauch von Hände-Desinfektionsmittel vor der Erhebung bei 703 Litern lag, stieg er während der Studie auf ein Plateau von 2.917 Litern und erreichte in den Folgejahren sogar 3.631 Liter. Außerdem verbesserte sich das vom Gesundheitspersonal wahrgenommene Klima der Patientensicherheit deutlich, wie regelmäßige Umfragen ergaben.

Maßnahmenbündel senkt nicht nur NI und Sepsis-Sterblichkeit, sondern auch Gesundheitskosten

Insgesamt verdeutlichte die Studie, dass die Kombination verschiedener Interventionen und die Verbesserung der Händehygiene sowie der Sicherheitskultur wirksame Maßnahmen sind, um sowohl NI als auch die Sepsis-Sterblichkeit erheblich und nachhaltig zu senken. Davon abgesehen dürften sich diese positiven Effekte auch auf den Haushalt des Gesundheitssystems auswirken: Während sich die direkten Kosten der Initiative auf 1,16 Millionen US-Dollar beliefen, wurden die durch die NI-Prävention vermiedenen Kosten auf über 17 Millionen US-Dollar geschätzt.

Quellen:

Sreeramoju P et al. (2021) Results and lessons from a hospital-wide initiative incentivised by delivery system reform to improve infection prevention and sepsis care. BMJ Open Qual 10: e001189. https://doi.org/10.1136/bmjoq-2020-001189

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