HARTMANN SCIENCE CENTER
Der Welt-Sepsis-Tag findet jährlich am 13. September statt und wird international von der Global Sepsis Alliance koordiniert. In Deutschland macht sich vor allem das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. mit der Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“ gegen die Krankheit stark. Auch 2026 steht der Tag wieder ganz im Zeichen der Aufklärung und will für die lebensbedrohliche Erkrankung und deren Folgen sensibilisieren sowie daran erinnern, wie wichtig die Vermeidung von Infektionen ist. Unter dem Motto „Sepsis verhindern, Leben retten“ setzt sich der Aktionstag bereits zum 15. Mal für den Kampf gegen Sepsis ein – und wir sind wieder dabei!

Weltweit gab es im Jahr 2020 ca. 50 Millionen Fälle von Sepsis und ca. 11 Millionen sepsisbedingte Todesfälle – das entspricht 20 % aller weltweiten Todesfälle [1]. In Deutschland erkranken jedes Jahr mindestens 230.000 Menschen an einer Sepsis, und mindestens 85.000 sterben daran. Sepsis zählt somit auch hierzulande zu den häufigsten Todesursachen [2]. Doch auch die Überlebenden haben meist schwer zu kämpfen, denn 75 % von ihnen leiden aufgrund der Sepsis an Spätfolgen [3]. Dazu zählen kognitive Einschränkungen, Nerven- und Muskelschäden oder chronische Schmerzen, im Extremfall auch der Verlust von Extremitäten aufgrund schwerer Durchblutungsstörungen, die eine Amputation erfordern [4].
Das Erkennen von Sepsis ist häufig schwierig, da es kein spezifisches Symptom gibt, das eindeutig auf die Krankheit hinweist. Zu den möglichen Symptomen zählen u. a. Verwirrtheit, starke Schmerzen, verminderte Urinausscheidung, schwere Atemnot bzw. Kurzatmigkeit, ein schweres Krankheitsgefühl sowie fleckige oder verfärbte Haut [5, 6]. Außerdem kann zwischen „primärer“ und „sekundärer“ Sepsis unterschieden werden. Während bei einer „primären“ Sepsis initial keine Infektionsquelle gefunden werden kann (z. B. durch Erregereintrag im Zusammenhang mit Gefäßkathetern), zeichnet sich die „sekundäre“ Sepsis dadurch aus, dass sich der Erreger einer bekannten, lokalen Infektion ausbreitet (z. B. bei einer postoperativen Wundinfektion) [7].
Doch Sepsis betrifft nicht nur Patientinnen und Patienten, die zuvor im Krankenhaus behandelt wurden: Die Gefahr einer Sepsis kann auch bei einem verschleppten Harnwegsinfekt oder einer Infektion der unteren Atemwege (z. B. durch Pneumokokken) bestehen. Das individuelle Sepsis-Risiko lässt sich deshalb senken, indem man empfohlene Impfungen regelmäßig auffrischt [8]. Ein gezieltes Inkontinenzmanagement trägt außerdem dazu bei, Harnwegsinfektionen im Zusammenhang mit Inkontinenz vorzubeugen. Zu diesem Thema bieten wir auch Schulungen in der HARTMANN Academy an.
Die Umsetzung strukturierter Infektionspräventionsprogramme im Gesundheitswesen ist ein zentraler Baustein, um schwere Verläufe nosokomialer Infektionen (insbesondere Katheter-assoziierte Infektionen, beatmungsassoziierte Pneumonie und postoperative Wundinfektionen) – und damit Sepsis – zu vermeiden. Dazu gehören die konsequente Einhaltung von Hygienestandards sowie die Beachtung gesetzlicher Vorschriften – etwa des Infektionsschutzgesetzes. Die 2025 aktualisierte S3-Leitlinie „Sepsis“ [9] betont, dass Krankenhäuser Antibiotika-Stewardship-Programme einführen sollten, um den rationalen Einsatz von Antibiotika zu sichern und Resistenzen zu verringern. Zudem empfiehlt sie ein Qualitätssicherungsprogramm zur Sepsis, das z. B. ein Screening bei akut erkrankten Hochrisikopatienten umfasst. Auch die Einführung klarer Standardarbeitsanweisungen (SOPs) und Checklisten spielt dabei eine große Rolle.
Außerdem rückt Sepsis 2026 in deutschen Krankenhäusern besonders in den Fokus, da das Qualitätssicherungsverfahren QS Sepsis des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) in diesem Jahr gestartet ist. Zu den Zielen des „QS Sepsis“ zählt u. a. die Reduktion der sepsisbedingten Mortalität und Morbidität. Das Verfahren stellt die Krankenhäuser jedoch derzeit teilweise vor Herausforderungen, da es eine fallbezogene Dokumentation erfordert und Fachkräfte entsprechend geschult werden müssen.
Wirksame Infektionsprävention basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, der verschiedene Bereiche umfasst. Zentrale Bausteine sind die Händehygiene und die Flächenhygiene. Hier bieten wir nicht nur hochwertige Produkte zur Hände- und Flächendesinfektion, sondern auch zahlreiche Schulungen in unserer HARTMANN Academy an. Entscheidend ist vor allem die korrekte Umsetzung der Maßnahmen, denn nur so entfalten sie ihre volle Wirksamkeit. Besonders die Basishygiene spielt eine Schlüsselrolle: Ist sie in den Prozessen – etwa bei der Anlage eines zentralen Venenkatheters (ZVK) – verankert, kann die Gefahr von Infektionen und damit auch einer drohenden Sepsis deutlich verringert werden. Unsere Standardarbeitsanweisungen (SOPs) unterstützen Sie hier als praktische Hilfestellung.


Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der sinnvolle Einsatz von medizinischen Einmalhandschuhen, die wir ebenfalls im Sortiment führen. Oft werden diese allerdings auch in Situationen verwendet, in denen sie nicht erforderlich sind. Hierzu hat die Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen und in Einrichtungen und Unternehmen der Pflege und Eingliederungshilfe beim Robert Koch-Institut (KRINKO) Ende 2024 einen Kommentar veröffentlicht, der klare Indikationen für die Handschuhnutzung auflistet – etwa bei Kontakt mit Blut oder Schleimhäuten sowie beim Einsetzen von Gefäßzugängen/peripher-venösen Verweilkanülen (PVK) oder beim Verabreichen intravenöser Injektionen – und gleichzeitig auf Situationen ohne Indikation hinweist, etwa bei Impfungen oder Blutzuckermessungen [10]. Eine rationale Nutzung kann somit auch zur Nachhaltigkeit beitragen.
Besondere Aufmerksamkeit erfordert darüber hinaus die Wundversorgung. Der Übergang von einer nicht infizierten zu einer infizierten Wunde wird durch eine zunehmende mikrobielle Belastung verursacht. Zu den klassischen Anzeichen und Symptomen einer lokalen Wundinfektion gehören Rötung, lokale Erwärmung, Schwellung, Schmerzen und eine verzögerte Wundheilung. Eine systemische Infektion kann entstehen, wenn Mikroorganismen aus der Wunde über das Blut- oder Lymphsystem im Körper verbreitet werden und somit zu einer Sepsis führen können. Um das Infektionsrisiko zu reduzieren und die Wundheilung zu fördern, sind standardisierte Hygienemaßnahmen – wie Händedesinfektion und aseptische Arbeitsweisen – bei Verbandwechseln, der therapeutischen Wundreinigung und der Wundbettvorbereitung essenziell [11].
Auch im Bereich der Hämodialyse ist eine konsequente Hygiene von großer Bedeutung, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit einem zentralvenösen Dialysekatheter (ZVK), da dieser einen direkten Zugang zur Blutbahn darstellt und das Risiko Katheter-assoziierter Infektionen erhöht. Eine Studie von 2024 zeigte jedoch, dass multimodale Strategien – etwa Surveillance, Schulungen und Patientenaufklärung – Dialyse-assoziierte Infektionen signifikant reduzieren können [12]. Unsere Dialyse-Pflegesets unterstützen dabei die qualitätsgesicherte / standardisierte / leitlinienkonforme Praxis in ambulanten Dialysezentren.
Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September rückt die Bedeutung von Früherkennung und Prävention erneut in den Mittelpunkt. Sepsis kann uns alle betreffen – ob im Gesundheitswesen oder im Alltag. Machen auch Sie mit und zeigen Sie Ihr Engagement für Infektionsschutz und gegen Sepsis unter #WorldSepsisDay, #SaveLives und #MissionInfectionPrevention. Auf der Website des Welt-Sepsis-Tags finden Sie zudem zahlreiche Kampagnenmaterialien in unterschiedlichen Sprachen, die Sie für eigene Aktionen nutzen können. Denn nur gemeinsam können wir Leben retten!
